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Mensch im Dunkel

Eine qualitative Fallstudie zu osteuropäischen Opfern von Frauenhandel- Ein Beitrag zur Psychotraumatologie

Katarzyna Zentner

Bei dieser Fallstudie handelt es sich um die Darstellung und qualitative Analyse der psychischen Gesundheit von Opfern des Frauenhandels aus der psychotraumatologischen Sicht. Durch eine Kombination von drei verschiedenen Methoden, zu der problemzentrierte Interviews, die Aktenanalyse von Beratungs- und Gerichtsdokumenten sowie standardisierte Fragebögen zur klinischen Diagnostik gehörten, wurde vielschichtige komplexe Extremtraumatisierung mit Frauenhandelssyndrom (Syndrom der modernen Sklaverei) bei den Opfern, Jahre nach dem Geschehen, nachgewiesen.

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10. Der traumatische Prozess nach dem Frauenhandel

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10.1 Retraumatisierung des Opfers durch Infragestellung der Glaubwürdigkeit Nach den traumatischen Erlebnissen entsteht bei Frauenhandelsopfern der voll- ständige Verlust der sozialen Sicherheit. Durch den Abbruch gesicherter Struk- turen befinden sie sich in einer defizitären Lebenssituation, die zwar neu gestal- tet wird, aber gleichzeitig retraumatisierend wirkt. Die neuen Strukturen und Lebensumstände, die die Betroffenen als Opferzeuginnen kennen lernen, brin- gen viel Unsicherheit mit sich. Die erlebten Phasen der Opferzeuginnen wäh- rend des Aufenthaltes in Deutschland (siehe Kap. 5) erstrecken sich für einen Zeitraum von mehreren Jahren, in denen sie mit der Polizei und der Beratungs- stelle, mit den Behörden, den Ärzten, den Gerichten und mit vielen anderen Institutionen und Personen in Kontakt treten. Jedes Mal werden sie dabei mit ihrer belastenden Ereignissen direkt oder indirekt konfrontiert. Hierdurch erle- ben eine zusätzliche Traumatisierungen wie die Retraumatisierung und die se- quenzielle Traumatisierung, die die schon anhaltende Extremtraumatisierung mit ihren Folgen verstärken. Dadurch wird diese zur komplexen und differen- zierten Extremtraumatisierung. Der ökologisch-dialektischer Forschungsansatz mit einem dialektischen Spannungsverhältnis (s. Kap. 4.1.2) spielt eine große Rolle. Es handelt sich hier um ein Verhältnis zwischen der Innenperspektive des traumatisierten Subjektes und der Außenperspektive des objektiven Beobach- ters. Der Schwerpunkt der Retraumatisierung liegt überwiegend im Prozessverfahren vor Gericht, durch den die Opfer nach einiger Zeit mit den Tätern konstant konfrontiert sind. Anzumerken ist, dass in den untersuchten Fällen von Opfern von Frauenhandel eine seelische Verletzung von der Justiz ganz anders als eine...

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