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Die deutsche Minderheitenpresse in Polen 1918-1939 und ihr Polen- und Judenbild

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Beata Lakeberg

Die deutsche Minderheit im Polen der Zwischenkriegszeit, ihr Selbstverständnis und ihr Verhältnis zu den Polen und Juden ist das Hauptthema dieses Buches. Mit dem Instrumentarium der historischen Stereotypenforschung untersucht die Autorin das Polen- und das Judenbild sowie das sich daraus ergebende deutsche Selbstbild in der deutschen Minderheitenpresse in Polen aus den Jahren 1918-1939. Die Untersuchung soll einen Beitrag dazu leisten, auf die zentrale Frage der Arbeit eine Antwort zu geben: War die deutsche Minderheit in der Zweiten Polnischen Republik eine homogene Gruppe? Dieser methodische Ansatz führt nicht nur dazu, die Geschichte der deutschen Minderheit oder der deutsch-polnischen und deutsch-jüdischen Beziehungen aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten, sondern gewinnt auch neue Erkenntnisse im Bereich der Stereotypentheorie und der Funktionsweise von Stereotypen innerhalb einer Gruppe.

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I. Die Geschichte der deutschen Minderheit in der Zweiten Republik Polen – ein Überblick 35

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I. Die Geschichte der deutschen Minderheit in der Zweiten Republik Polen – ein Überblick Der im November 1918 neu entstandene polnische Staat bestand anfangs ledig- lich aus den ehemaligen russischen und österreichischen Teilungsgebieten. Später wurden der Republik Polen Großpolen/Wielkopolska, Pommerellen/Pomorze, ein Teil Oberschlesiens/Górny Śląsk und, als Ergebnis des polnisch-bolschewistischen Krieges, die Ostgebiete, sowie nach dem Żeligowski-Putsch das Gebiet um Wil- na/Wilno zugeteilt. In den Jahren 1921–1922 wurde die territoriale Bildung des polnischen Staates offi ziell beendet. Die in den genannten Gebieten lebende Be- völkerung stand in jener Zeit vor vielen Veränderungen. Nicht nur der Staat, in dem sie lebten, veränderte sich, sondern auch die Staatsform – von der Monarchie in eine Republik – und die politischen Organisationsformen – es entstanden neue Parteien und Organisationen. Unter diesen neuen Bedingungen mussten sich nicht nur die Polen selbst orientieren, sondern auch die Angehörigen anderer, im neu entstandenen Polen lebenden Nationalitäten. Sie wurden dazu gezwungen, ihre eigene Identität als Ukrainer, Juden oder Deutsche und gleichzeitig als nationale Minderheit zu bestimmen. Die in Polen lebenden Deutschen bewohnten alle drei ehemaligen Teilungsgebiete. Die Deutschen, die im ehemaligen russischen bzw. österreichischen Teilungsgebiet wohnten, lebten dort schon seit vielen Jahrzehnten in guter Nachbarschaft zur polnischen Bevölkerung. Ihr Verhältnis zum neu entstandenen Staat war entweder neutral oder sogar freundlich. Den Status einer nationalen Minderheit hatten die Deutschen aus dem russischen Teilungsgebiet schon vor dem Ersten Weltkrieg be- sessen. Anders war es mit den Deutschen aus dem preußischen Teilungsgebiet. Die...

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