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Rudolfsheim – Krieau – Raimundtheater oder Der Fall Franz Rückauf sen.

Ein Ausschnitt der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu Wiener Leben und Kultur

Peter Pabisch

Im Mittelpunkt der Kulturstudie steht der liberale Wiener Bürger Franz Rückauf sen. (1838-1920). Er brachte es zum Gemeinde- und Stadtrat 1891 in der ersten Legislaturperiode von Groß-Wien und vertrat dabei Rudolfsheim, den damals 14. Wiener Gemeindebezirk. Dieser Großfuhrwerksbesitzer und erklärte Bürger leistete viel für die österreichische Pferdezucht, war jahrelang Erster Vizepräsident des Wiener Trabrennvereins Krieau und auch Präsident der Wiener Einspänner-Genossenschaft. Als Kulturbeflissener nahm er auch kurze Zeit die erste Präsidentschaft des Wiener Raimundtheater-Vereins an. Trotz seines Einflusses und Einsatzes gelang es ihm nicht, der Klassengesellschaft zu begegnen, die auch von antisemitischen Tendenzen durchsetzt war. Als Freimaurer hielt er an Sozial- und Menschenrechten fest, zog sich aber im Alter als Privatier zurück.

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Vorwort 11

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11 Vorwort Spaziert man heutzutage über den Stephansplatz, der immerhin zur Fußgängerzo- ne erhoben ist, fallen einem die Fiakerkutschen an der Nordseite des Domes auf. Man sieht sie als Reste vergangener Tradition. Der Geruch ihrer Pferde lässt nicht alles Aroma aus jenen guten, alten Tagen feiern. Und was ein echter Wiener ist, hört sofort Gustav Picks Fiakerlied; vielleicht pfeift es auch manch einer vor sich hin. Im Mai 1885 sang es Alexander Girardi zur Feier des hundertjährigen Bestehens der Fiakergilde bei der Rotunde im Prater, wo wieder einmal der Flie- der blühte. Das Fiakerwesen ist in unseren Tagen erneut als Touristenattraktion erblüht. Auf dem Krieauer Trabrennplatz nahe dem zur Weltausstellung 1873 er- richteten Ausstellungsgebäude hatte sich einst der Trabersport aus dem Fiaker-, Einspänner- und Zweispännerwesen entfaltet. Dahinter stand der allgewaltige Pferdefuhrwerksbetrieb, der nur während der Gründerzeit vor dem mit Dampf be- triebenen und elektrischen Verkehr dominierte. Diese Gründerzeit stellte über- haupt eine Hochblüte dar, die gleichzeitig das Ende der Epoche erahnen ließ. Immerhin wurde Wien zur Weltstadt erweitert. Vorstädte und Vororte wurden zu Bezirken zusammengelegt, wie Rudolfsheim oder Fünfhaus. Die Liberalen hatten das politische Sagen und zogen zur ersten Legislaturperiode von Großwien ins wenige Jahre davor erbaute neue Rathaus ein. Das fiel mit dem seit der Schleifung der Wiener Stadtmauer bekannten Kulturaufschwung zusammen, der in vielen Teilen Europas Fuß gefasst hatte, aber in Wien einen Hochaltar fand. Die Gründung des Raimundtheaters war...

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