Show Less

Rudolfsheim – Krieau – Raimundtheater oder Der Fall Franz Rückauf sen.

Ein Ausschnitt der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu Wiener Leben und Kultur

Peter Pabisch

Im Mittelpunkt der Kulturstudie steht der liberale Wiener Bürger Franz Rückauf sen. (1838-1920). Er brachte es zum Gemeinde- und Stadtrat 1891 in der ersten Legislaturperiode von Groß-Wien und vertrat dabei Rudolfsheim, den damals 14. Wiener Gemeindebezirk. Dieser Großfuhrwerksbesitzer und erklärte Bürger leistete viel für die österreichische Pferdezucht, war jahrelang Erster Vizepräsident des Wiener Trabrennvereins Krieau und auch Präsident der Wiener Einspänner-Genossenschaft. Als Kulturbeflissener nahm er auch kurze Zeit die erste Präsidentschaft des Wiener Raimundtheater-Vereins an. Trotz seines Einflusses und Einsatzes gelang es ihm nicht, der Klassengesellschaft zu begegnen, die auch von antisemitischen Tendenzen durchsetzt war. Als Freimaurer hielt er an Sozial- und Menschenrechten fest, zog sich aber im Alter als Privatier zurück.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

1. ‚Speichellecker und Byzantiner!‘ Zu Themenstellung und Forschungsabsicht 15

Extract

15 1. ‚Speichellecker und Byzantiner!‘ Zu Themenstellung und Forschungsabsicht a) Themenüberblick ‚Fallstudie‘ hat hier Doppelbedeutung und handelt vom vielversprechenden Auf- stieg und ernüchternden Ausscheiden des liberalen Wiener Politikers Franz Rückauf sen. (1838 bis 1920), der die Früchte seiner Arbeit knapp vor dem Fin- de-Siècle hinschwinden sah. Dass er nicht durch eine eigene wirtschaftliche Fehl- entscheidung oder gar Missetat zu Fall kam, hat er seinem Sinn für Fairness und Offenheit, seiner Klugheit und Vorsicht, aber auch seinem Glück zu verdanken. Er sollte wie alle seine Zeitgenossen den schicksalshaften Wandel der Gesell- schaft ins technische Zeitalter miterleben, mit der bekanntlich folgenschwere po- litische Veränderungen einhergingen, die vor allem seine Partei der Liberalen1 in den Schatten rückten. Allerdings konnte er während der Jahre davor, in seiner ak- tiven Arbeitskarriere, einige Erfolge verbuchen, deren Wirkung noch heute zu spüren ist. Der Trabrennverein Krieau verdankt ihm viel in seinen ersten Jahr- zehnten; und seine erste Präsidentschaft des Wiener Raimundtheaters bedeutete einen allerdings kurzen Höhepunkt. Beide Einrichtungen haben das Weiterbeste- hen in mehr als einem Jahrhundert geschafft. Franz Rückaufs Schicksal dreht sich wesentlich um seine Arbeit als Fuhr- werksunternehmer mit Pferden und der Pferdezucht. Er war eine Autorität in der eine Generation dauernden Ära der Wiener Pferdebahn (ca. 1865 bis 1898), des etwas länger anhaltenden Fiaker- und Einspännerwesens und der damit verbun- denen Agenden des Wiener Trabrennvereins Krieau, an dessen Gründung und Aufbau er wesentlich mitbeteiligt war. Noch...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.