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Die polnische Zivilprozessordnung von 1930/33

Unter Berücksichtigung des deutschen, österreichischen, russischen und französischen Rechts

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Adam Polkowski

Polen erhielt 1930/33 eine eigene Zivilprozessordnung, welche die unterschiedlichen prozessualen Regelungen in den ehemaligen Teilungsgebieten außer Kraft setzte. Diese ZPO beruht auf einer detaillierten Auseinandersetzung mit dem Zivilprozessrecht der Teilungsgebiete sowie Frankreichs und Ungarns. Diese Arbeit untersucht den Vereinheitlichungsprozess unter Darstellung der historischen Entwicklung des polnischen Rechts sowie die Vorbereitung des Gesetzentwurfs durch die Kodifikationskommission der Zweiten Republik. Es handelt sich hierbei um eines der interessantesten, außerhalb Polens nur wenig bekannten Beispiele moderner Rechtsvereinheitlichung in Europa. Dies ist auch heute vor dem Hintergrund der Neuakzentuierung der Zivilrechtsvereinheitlichung in der Europäischen Union von Bedeutung.

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IV. Schlusswort und Ausblick

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1. Schlusswort Ein Blick auf die Europakarte vor dem Beginn des Ersten Weltkriegs im Jahre 1914 zeigt, dass ein polnischer Nationalstaat zu dieser Zeit fehlte. Es erscheint sogar legitim die Frage zu stellen, ob sich die dort lebende Bevölkerung nach einer über 120 Jahre langen andauernden Herrschaft unter dem deutschen Kaiser und dem Kaiser von Österreich-Ungarn sowie dem Zaren von Russland über- haupt noch als Polen identifizierten konnten. Nachdem Polen im Jahre 1771 zum Spielball der Expansionsmächte Preußen, Österreich-Ungarn und Russland wur- de, hörte es 1795 nach der dritten Teilung faktisch auf zu existieren. Das polni- sche Volk ließ sich jedoch von der Okkupation nicht beeindrucken, versuchte im Rahmen des Möglichen ihre Eigenständigkeit zu wahren und hoffte in Zukunft seine Unabhängigkeit zurückzuerlangen. So erlebte Polen trotz der ersten Tei- lung einen wirtschaftlichen Aufschwung und konnte nach der Mobilisierung politischer Kräfte in den Jahren 1773 und 1775 Staatsreformen durchsetzen. Der preußisch-französische Krieg von 1806/7 ließ bei der polnischen Bevölkerung die Hoffnung nach der Wiederherstellung eines unabhängigen Staates aufkei- men. Der Sieg Napoleons führte am 07. Juli 1807 zum Frieden von Tilsit. Es entstand das Herzogtum Warschau, das nach dem Frieden von Schönbrunn am 14. Oktober 1809 noch um einen Teil des österreichischen Gebiets (West- Galizien) erweitert wurde. Die Renaissance des souveränen polnischen Staates währte jedoch nur kurze Zeit. Bereits am 08. Februar 1813 wurde Warschau durch die russische Armee nach Ausbruch des russisch-französischen...

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