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Spanische Phonetik und Phonologie

Segmente – Silben – Satzmelodien

Hugo Kubarth

Dieses Buch wendet sich an Studierende und Lehrende der Hispanistik und führt zunächst als wissenschaftliche Lautlehre von den Grundlagen der Ohren- und Instrumentalphonetik hin zu einer detaillierten Beschreibung des spanischen Lautsystems, die der Vielfalt segmentalphonologischer Ansätze ebenso Rechnung trägt wie typischen Ausspracheproblemen von deutschsprachigen L2-Lernenden. Der anschließende Prosodieteil bietet neben einer merkmalsgeometrischen Silbenphonologie und Phonotaktik eine autosegmental-metrische Analyse des Wortakzents sowie eine umfassende Intonationsgrammatik des Spanischen. Hörbeispiele zu allen im Buch vorgestellten standardspanischen Lauten und melodischen Mustern sind online frei verfügbar (www.uni-graz.at/hugo.kubarth).

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3 Prosodische Einheiten 69

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69 3 Prosodische Einheiten 3.1 Die phonetische Silbe Die Silbe (span. sílaba) wird bisweilen metaphorisch als "Welle im Redestrom" bezeichnet. Der darin gemachte Bezug auf das Sprechen liegt auch dem alten Bemühen der Phonetik zugrunde, sie allein auf materieller Basis zu bestimmen. 3.1.1 Drucksilbe Der bekannteste Versuch einer produktionsseitigen Definition der Silbe geht von der Beobachtung aus, dass schon ein langgezogener Einzellaut den Eindruck von Mehrsilbigkeit bewirkt, wenn man dabei nichts anderes macht, als den Atemdruck abwechselnd ansteigen und wieder abfallen zu lassen, wie das z. B. beim lautmalerisch nachempfundenen Dampflokgeräusch  der Fall ist. Nach der 1928 veröffentlichten chest-pulse-Theorie von Raymond H. Stetson sind Wortsilben aber nicht das Ergebnis einer kontinuierlichen Steuerung des Exspirationsluftdrucks, sondern gehen auf ballistische Kontraktionen der inne- ren Zwischenrippenmuskeln zurück. Silben erscheinen aus dieser Sicht als aufeinanderfolgende Druckimpulse, können jedoch auch durch orale Artikula- tionsbewegungen mitgestaltet werden. Nach Ansicht Stetsons tragen vor allem konsonantische Verschluss- oder Engebildungen dazu bei, derartige Impulse auszulösen oder zu stoppen. An emphatisch geäußerten Wörtern (un.ver.schämt!; ¡im.per.ti.nen.te!) lässt sich die angenommene Übereinstimmung von Muskelkontraktionen und Silbenzahl gut nachvollziehen. Anders verhält es sich bei normaler Rede, wie eine instrumentelle Überprüfung der Theorie an englischem Wortmaterial durch Ladefoged et al. (1958) gezeigt hat. Dabei entdeckte man, dass bei manchen als einsilbig empfundenen Wörtern wie sport, stay zwei Aktivitätsimpulse vorhan- den sein können, bei intuitiven Zweisilblern wie pity, around, going dagegen oft nur einer. Derartige Schwankungen in den...

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