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Das Juditbuch im Wien des 17. und 18. Jahrhunderts

Exegese – Predigt – Musik – Theater – Bildende Kunst

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Elisabeth Birnbaum

Die Studie erschließt aus umfangreichem Quellenmaterial des 17. und 18. Jahrhunderts bibelwissenschaftliche und künstlerische Interpretationen des Juditbuches im historischen und kulturellen Umfeld Wiens. Sie klärt unter anderem den Zusammenhang der besonderen Beliebtheit des Juditbuches mit den zahlreichen kriegs- und seuchenbedingten Notsituationen der Stadt. Ebenso wird die Verbindung zwischen der einseitig tugendhaften Stilisierung Judits und der Thronbesteigung Maria Theresias verdeutlicht. Die Veröffentlichung dreier bislang ungedruckter Oratorienlibretti rundet den Band ab.

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Einleitung 13

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Einleitung Die vorliegende Arbeit versteht sich als rezeptionsgeschichtliche Arbeit. Rezep- tionsgeschichte in der von Hans Robert Jauß entwickelten Programmatik ermög- licht die „sukzessive Entwicklung eines im Werk angelegten, in seinen histori- schen Rezeptionsstufen aktualisierten Sinnpotentials,…“1, geht also davon aus, dass in einem Text immer schon eine Vielfalt an Verstehensmöglichkeiten zu finden ist, die sich zu unterschiedlichen Zeiten je anders aktualisiert. Sie rechnet mit einer Sinnoffenheit des Textes und gehört damit zu den rezeptionsästheti- schen Ansätzen, die durch Paul Ricoeur u. a. Eingang in die systematische Theologie gefunden haben und in unterschiedlichen rezeptionsorientierten Mo- dellen seit den 90-er Jahren des 20. Jahrhunderts auf biblische Texte angewendet wurden.2 Dahinter steht die These, dass der Sinn eines Textes nicht mit dem vom bib- lischen Autor intendierten Sinn identisch ist, sondern diesen übersteigt, ja, dass es den einen Sinn des Textes nicht gibt. Das Sinnpotential eines Textes wird durch die Rezeption aktualisiert, der Leser/Hörer/Betrachter gestaltet Sinn we- sentlich mit. Die Rezeptionsgeschichte eines biblischen Buches zu untersuchen, empfiehlt sich meiner Meinung nach insbesondere dort, wo sehr ambivalente, ja wider- sprüchliche Auslegungen vorliegen, und zwar aus zwei Gründen: Zum Ersten kann anhand einer Untersuchung von speziellen Auslegungen in bestimmten historischen Kontexten gezeigt werden, dass Interpretation immer im Zusam- menhang mit zeitgeschichtlichen Bedingungen steht. Diesen Zusammenhang aufzudecken kann aber nur in einer historischen Rückschau gelingen, da es schlechterdings unmöglich erscheint, gegenwärtige Bedingungen des Verstehens aus einer distanzierten objektiven Sicht beurteilen zu können. Zum Zweiten...

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