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Das Juditbuch im Wien des 17. und 18. Jahrhunderts

Exegese – Predigt – Musik – Theater – Bildende Kunst

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Elisabeth Birnbaum

Die Studie erschließt aus umfangreichem Quellenmaterial des 17. und 18. Jahrhunderts bibelwissenschaftliche und künstlerische Interpretationen des Juditbuches im historischen und kulturellen Umfeld Wiens. Sie klärt unter anderem den Zusammenhang der besonderen Beliebtheit des Juditbuches mit den zahlreichen kriegs- und seuchenbedingten Notsituationen der Stadt. Ebenso wird die Verbindung zwischen der einseitig tugendhaften Stilisierung Judits und der Thronbesteigung Maria Theresias verdeutlicht. Die Veröffentlichung dreier bislang ungedruckter Oratorienlibretti rundet den Band ab.

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Judit in der Exegese 61

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Judit in der Exegese Vorbemerkungen Die Kanonfrage Die katholische Exegese im 17. Jahrhundert war geprägt von der Auseinander- setzung mit den Protestanten. Das galt besonders für die Kanonfrage. Welche biblischen Bücher zum eigentlichen Kanon gehören sollten, welche nur als deu- terokanonisch und welche als apokryph bezeichnet werden sollten, war eines der zentralen Themen des Tridentinums gewesen. Da das Buch Judit weder im Kanon der Juden aufscheint noch in hebräischer Sprache vorliegt, hatte ihm Lu- ther die Kanonizität abgesprochen und es zu den Apokryphen gereiht. Auf ka- tholischer Seite hingegen war es als deuterokanonisch auf eine Stufe mit den unumstrittenen protokanonischen Büchern gestellt worden und somit im Kanon der biblischen Bücher verblieben. Mit der Kanonfrage verbunden war aber die Frage nach der Heiligkeit und Würde des Buches und damit nach seiner Autori- tät in der dogmatischen Diskussion. Dementsprechend apologetisch und pole- misch wurde diskutiert. In zahlreichen katholischen Bibelkommentaren wurde versucht, das Juditbuch gegen die protestantischen „Angriffe“ zu verteidigen. Der berühmte Exeget Cornelius a Lapide SJ (1567-1637) beginnt deshalb seinen Kommentar ebenso mit der Kanonfrage46 wie später Dom Augustin Calmet (1672-1757)47 und zuvor schon Nicolaus Serarius (1555-1609) und andere. Historizität Ein zweiter, mit der Kanonfrage eng verbundener umstrittener Punkt dieser Zeit war die Historizität des Juditbuches. Hier galt es, gegen die beginnende histo- risch-kritische Methode Stellung zu beziehen, auch in dieser Frage wurde defen- sive Apologetik betrieben. Man versuchte verstärkt, geografische, zeitliche und personale Ungereimtheiten wissenschaftlich...

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