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Das Mittelalter in Romanen für Jugendliche

Historische Jugendliteratur und Identitätsbildung

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Melanie Rossi

Das Mittelalter stößt seit Jahren auf reges öffentliches Interesse und erfreut sich auch in der Jugendliteratur großer Beliebtheit. Dieser Band analysiert an zahlreichen Textbeispielen aus Romanen für Jugendliche die Darstellung von Themen und Motiven mittelalterlichen Ursprungs, historisch bedingter Problemlagen sowie ihrer möglichen Auswirkungen auf den Einzelnen. Im Fokus der Untersuchung steht die Frage nach dem Einfluss der jugendliterarischen Darstellung des Mittelalters auf die jugendliche Entwicklung einer Vorstellung von dieser Epoche. An ihrem Beispiel wird so auch die didaktische Relevanz geschichtserzählender Jugendliteratur deutlich, indem zugleich nach ihrer Wirkung auf die historisch vermittelte Identitätsbildung gefragt wird. Die Diskussion einschlägiger Positionen zur historischen Jugendliteratur und ihren Wirkungsmöglichkeiten begleitet die Darstellung. In die Untersuchung fließen fortlaufend konkrete Hinweise zur Behandlung der Texte im Deutsch- und Geschichtsunterricht ein.

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4 Der Mensch als Teil einer Gemeinschaft – mittelalterliche Sozial- und Herrschaftsstrukturen im Roman für Jugendliche 167

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167 4 Der Mensch als Teil einer Gemeinschaft – mittelalterliche Sozial- und Herrschaftsstrukturen im Roman für Jugendliche 4.1 Lebensräume der Menschen im mittelalterlichen Reich 4.1.1 Das Leben im ländlichen Raum 4.1.1.1 Lebenswelt und soziale Situation der Bauern Nach Annahme Maike Vogt-Lüerssens lebten von den etwa 12 Millionen Menschen im deutschen Teil des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation Ende des 14. Jahrhunderts etwa 85-95 % auf dem Land in Einzelhöfen und Dörfern,1 somit lediglich eine Minderheit in Städten, Klöstern oder auf adligen Herrschaftssitzen. Damit ist zu- gleich zweierlei gesagt: das Reich war vorwiegend eine Agrarkultur und unterschied sich so von der modernen Industriegesellschaft;2 außerdem war die von der auf dem Land lebenden Bevölkerungsmehrheit entwickelte Alltagskultur für die Mehrheit der Menschen im Reich bedeutsam, woraus sich die Relevanz des Themas für die histori- sche Jugendliteratur und damit vorliegende Betrachtung ergibt. Der Alltag unterschied sich regional bisweilen sehr stark – man denke z.B. an Riten und Bräuche –, jedoch unterlagen die auf dem Land lebenden Menschen über weite Landesteile ähnlichen Rechtsverhältnissen und Abhängigkeiten von der Natur. Über- lieferte Schriftquellen lassen die tägliche bäuerliche Lebenswelt nur schwer erschlie- ßen: von Bauern gibt es kaum eigene Textzeugnisse, schriftliche Zeugnisse stammen fast ausschließlich aus den Kreisen einer schriftkundigen Oberschicht und wurden aus deren Perspektive gefertigt. Diese obrigkeitliche Charakterisierung von Bauern könnte begründen, warum in ihrer individuellen Darstellung oft negative Eigenschaften über- wiegen. In der Literatur existieren...

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