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Die Anatomie der Azteken

Bernardino de Sahagúns anatomischer Bericht aus dem "Codex Florentinus</I>, Buch 10, Kapitel 27

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Uta Berger

Bereits die Azteken hatten ein differenziertes Wissen von der menschlichen Anatomie. Es war der Franziskanermönch Bernardino de Sahagún, der im 16. Jahrhundert die Kultur des vorspanischen Mexikos dokumentierte, und zwar in aztekischer Sprache. Sein berühmter Codex Florentinus enthält jenen Bericht zur Anatomie, der diesem Buch zugrunde liegt. Übersetzung und Analyse des aztekischen Textes sowie die Auswertung der im Codex enthaltenen Abbildungen vermitteln ein aus heutiger Sicht verblüffendes Körperkonzept, welches an altweltliche und biblische Ideen erinnert und doch frei ist von religiösen Vorstellungen jedweder Art. Für Ethnologen und Mediziner dürfte die Lektüre ebenso gewinnbringend sein wie für Historiker und Linguisten.

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5. Allgemeine Informationen, Diskussion und Analyse 123

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123 5. Allgemeine Informationen, Diskussion und Analyse Sahagúns Ausgangspunkt zur Niederschrift des Berichtes im Kapitel 27, Buch 10 des Kodex Florentinus sind das allgemeine medizinische Wissen und die allgemeinen anatomischen Kenntnisse Europas des ausgehenden 15. Jahrhunderts. Sahagún schafft mit seinem klar gegliederten anatomischen Text einen Zugang zur menschli- chen Anatomie nach der Vorstellung der Azteken. Die Aussagen sind frei von ideolo- gischen und religiösen Konzepten und geben so eine sachliche Basis die kulturellen Unterschiede der Körperwahrnehmung zu erforschen. Die funktionellen Aussagen zeigen, daß auch zur Physiologie des Körpers eindeutige Konzepte bestanden. Eini- ge Aspekte, die den Zugang zu dieser anatomischen Aufstellung vereinfachen, wer- den im Folgenden untersucht. 5.1. Was bedeuten pochquiotl, tzotzollotl und tilahuacayotl? Die Übersetzung der anatomischen Aufstellung hat besondere Schwierigkeiten. Mo- linas Wörterbuch enthält nur wenige aztekische Wörter, die medizinische Bereiche abdecken (siehe auch von Gall 1936:222). So finden die Vokabeln pochquiotl, tzot- zollotl und tilahuacayotl in der anatomischen Nomenklatur keine gleichwertigen Pa- rallelen. Die Wörter sind zuvor in der Einzelbesprechung kurz erläutert worden. Hier soll eine genauere Analyse erfolgen. Nach Sahagúns Systematik handelt es sich um Begriffe, die das Klassifikationsschema der allgemeinen Anatomie oder Physiologie betreffen. Es sind keine organspezifischen Bezeichnungen. Die Vokabeln werden mehrfach unter verschiedenen Aspekten angeführt und werden mit sehr verschiede- nen Körperteilen assoziiert. Diese Wiederholung kann auf ihre besondere Stellung im Anatomiesystem der Azteken hinweisen. Es kann damit auch eine gewisse Unsi- cherheit der Einordnung und Bedeutung dieser aztekischen...

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