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Über Moral in Vergangenheit und Zukunft

Theodor-Geiger-Gesamtausgabe- Abteilung VII: Erkenntnis, Aufklärung und Demokratie. Bd. 2- Herausgegeben und erläutert von Klaus Rodax

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Klaus Rodax

Theodor Geigers Studie ist eine gesellschafts- und geistesgeschichtliche Einführung in einen zentralen philosophischen und soziologischen Grundbegriff. Sie gibt eine höchst originelle Antwort auf die alte Grundfrage der Gesellschaft: Welchen sozialen Normen und Werten sollte das menschliche Zusammenleben und Zusammenarbeiten unterliegen?

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Vorrede - Klaus Rodax VII

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Vorrede I. Diese schmale Monographie Theodor Geigers könnte man mit guten Gründen als eine gesellschafts- und geistesgeschichtliche Einführung in einen zentralen philosophischen und soziologischen Grundbegriff be- zeichnen – aber man würde ihr keineswegs gerecht, wenn man sie nur als Einführung unter dem Motto „autres temps, autres mœurs“ läse. In ihr gab er eine höchst originelle Antwort auf die alte Grundfrage der Ge- sellschaft: Welchen sozialen Normen und Werten sollte das menschliche Zusammenleben und Zusammenarbeiten unterliegen? Als Gesellschafts- phänomen betrachtet, ist die Moral nach allgemeiner soziologischer Auf- fassung nämlich „ein Satz von Verhaltensregeln und Handlungsweisen, dessen gesellschaftliche Funktion es ist, das Zusammenleben von Men- schen zu ermöglichen. (. . . ) Ohne Moral keine Gesellschaft – aber ohne Gesellschaft auch keine Moral. Der vollständig isolierte Einzelne – sofern man sich ein solches Geschöpf überhaupt vorstellen kann – könnte wohl gut ohne Moral oder eine andere Form von Lebensregeln leben, ja selbst die Vorstellung davon würde ihm fremd und bedeutungslos erscheinen“1 (Seite 5 f.). Daß die Grundlagen der Moral selbst nicht moralisch sind, sondern gesellschaftliche Machtverhältnisse widerspiegeln, verlor Geiger dabei keineswegs aus dem Blick, und er griff vor diesem Hintergrund seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges das Problem „Recht und Moral“ in sei- nen juristischen und rechtssoziologischen Publikationen und Vorträgen immer wieder kritisch auf. „Sofern man von dem Gedanken ausgeht,“ so faßte Geiger seine Grundüberlegungen dazu zusammen, „dass ei- 1 Dieses Zitat und die folgenden Zitate aus der Monographie Geigers...

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