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Die Folter im Beweisverfahren der Leges Visigothorum

Chindasvinths Gesetzgebung im Spiegel der westgotischen Rechtsentwicklung

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Andreas Kimmelmann

Dieses Buch befasst sich mit der Folter im Beweisverfahren der Leges Visigothorum, namentlich der Gesetzgebung des westgotischen Königs Chindasvinth in diesem Bereich. Die Besonderheiten in Chindasvinths umsichtigen Folterregelungen werden auf ihre gesetzgeberischen Motive sowie eventuelle Vorbilder untersucht. Die Untersuchung zeigt vor allem eine weitgehende gesetzgeberische Eigenleistung Chindasvinths, die sich unabhängig von möglichen Vorbildern auf seine eigenen gesetzgeberischen und politischen Intentionen gründet.

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Kapitel 4: Einfluss des Römischen Rechts und anderer Rechte 197

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197 Kapitel 4: Einfluss des Römischen Rechts und anderer Rechte Wie schon im ersten Kapitel festgestellt, war die Folter ein den Römern durchaus bekanntes Rechtsinstitut, was sich auch aus den hier zahlreich entdeckten Par- allelstellen zur Lex Visigothorum im Breviar ergeben hat. Ein grundsätzlicher – wenn auch in Einzelfragen schon vorgenommener – zusammenfassender Ver- gleich mit dem römischen Recht, namentlich dem in der Lex Romana Visigot- horum enthaltenen, erscheint notwendig. Ein römischer Einfluss muss immer in Betracht gezogen werden, da die nach der Völkerwanderung auf römischem Bo- den entstandenen germanischen Reiche selbstverständlich mit römischer Kultur in Berührung kamen. Jedenfalls kann für keine der germanischen Leges von vornhe- rein ausgeschlossen werden, dass sie durch römisches Recht beeinflusst wurde.811 I. Vorüberlegungen: Probleme im Umgang mit dem Römischen Recht Während in der Lex Romana Visigothorum ganz eindeutig römisches Recht gezielt übernommen wurde, da das Gesetz ja, wie oben in der Gesetzgebungs- geschichte ausgeführt, für Römer gedacht war, stellt sich bei den anderen ger- manischen Rechtsordnungen immer wieder die Frage, auf welchem Wege die Ähnlichkeit mit dem römischen Recht zustande gekommen ist. Frühere Forschungen gingen nahezu einhellig davon aus, dass die Leges barbarorum reines, unverfälschtes germanisches Recht enthielten.812 Lediglich die Gesetze der Ost- und Westgoten wurden etwas differenzierter betrachtet. So galt das Edictum Theoderici immer als fast ausschließlich von römischem Recht durchdrungen.813 Die Leges Visigothorum wurden immer als Quellen germa- 811 Nehlsen,...

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