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Die Folter im Beweisverfahren der Leges Visigothorum

Chindasvinths Gesetzgebung im Spiegel der westgotischen Rechtsentwicklung

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Andreas Kimmelmann

Dieses Buch befasst sich mit der Folter im Beweisverfahren der Leges Visigothorum, namentlich der Gesetzgebung des westgotischen Königs Chindasvinth in diesem Bereich. Die Besonderheiten in Chindasvinths umsichtigen Folterregelungen werden auf ihre gesetzgeberischen Motive sowie eventuelle Vorbilder untersucht. Die Untersuchung zeigt vor allem eine weitgehende gesetzgeberische Eigenleistung Chindasvinths, die sich unabhängig von möglichen Vorbildern auf seine eigenen gesetzgeberischen und politischen Intentionen gründet.

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Kapitel 6: Schlussbetrachtung: Leistung und ratio der „Folterordnung(en)“ Chindasvinths im Spiegel der westgotischen Rechtsentwicklung 219

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219 Kapitel 6: Schlussbetrachtung: Leistung und ratio der „Folterordnung(en)“ Chindasvinths im Spiegel der westgotischen Rechtsentwicklung Chindasvinth wollte die Folter sehr viel zurückhaltender anwenden. Ganz deut- lich zeigt er dieses Ziel bei den Folterregelungen für Freie. Die harten Strafen für den falschen Ankläger, die Hürden, die er überwinden musste, um die Folterung des Beschuldigten zu erreichen sowie die Tatsache, dass er schon als falscher Ankläger galt, wenn der Beschuldigte die Folter überstand, ohne zu gestehen, zeichnen ein deutliches Bild. Es war nach Chindasvinths Gesetzgebung wahrlich ein äußerst risikoreiches Unterfangen, eine Folterklage gegen einen Freien zu führen. Bei einem Sklaven oder einem Freigelassenen war das Risiko zwar nicht ganz so groß, gerade ein nicht so begüterter Ankläger musste sich jedoch auch hier in Acht nehmen. Aber nicht nur der Ankläger musste seine Schritte sorg- fältig erwägen, auch der Richter hatte Vorsicht walten zu lassen. So musste er besonders darauf bedacht sein, keine unmäßigen Foltern zuzulassen, da beim Tod des Beschuldigten auch ihm existenz- und lebensvernichtende Strafen drohten. Vor unrechter Anklage und Richterwillkür wurde so effektiv abgeschreckt. Zu- dem führten die von Chindasvinth aufgestellten Voraussetzungen oft dazu, dass eine Folter überhaupt nicht stattfinden konnte: Adlige konnten von niedrigeren Personen in Kapitalklagen gar nicht erst angeklagt werden und sich bei weniger schweren Klagen in einem solchen Fall durch den Reinigungseid freisprechen. Unter einem (wie geschildert, immensen) Wert von 300 solidi wurde überhaupt kein Freier mehr gefoltert. Zudem...

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