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Spanisches Anwaltshaftungsrecht

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Ingo Müller

Die Arbeit erschließt erstmals das spanische Anwaltshaftungsrecht in deutscher Sprache und setzt sich zugleich mit der spanischen Doktrin kritisch auseinander. Im Mittelpunkt der Bearbeitung steht die besonders praxisrelevante zivilrechtliche Haftung des Rechtsanwalts, die eine umfassende Erörterung erfährt. Ergänzend werden außerdem die Grundlagen seiner disziplinar- und strafrechtlichen Haftung dargestellt. Die Untersuchung zeigt, dass den strukturellen Gemeinsamkeiten mit dem deutschen Recht auch erhebliche Unterschiede gegenüberstehen, von der Zweiteilung des Anwaltsberufs bis zur Ersatzfähigkeit von Chancen, die der Mandant durch die Pflichtverletzung des Anwalts verloren hat. Praxisnahe Erläuterungen zu Haftungsvereinbarungen und zur Berufshaftpflichtversicherung runden die Arbeit ab.

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Kapitel eins: Grundlagen 7

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7 Kapitel eins: Grundlagen A. Der Anwalt in Spanien I. Einleitung In den vom römischen Recht beeinflussten Ländern, zu denen u.a. Spanien und Frankreich zählen, unterschied man zunächst zwei Rechtsgelehrte, deren Aufga- be in der gerichtlichen Vertretung einer Partei bestand, den advocatus und den procurator.30 Ursprünglich wurde der procurator geschaffen, weil man der Mei- nung war, dass gerichtliche Verfahrenshandlungen aufgrund der Komplexität des Rechts von juristischen Laien nicht ohne weiteres vorgenommen werden konnten. Die Mitwirkung eines Prokurators sollte den Prozessablauf schnell und einfach halten.31 Dazu wandte sich der juristische Laie früher zur Vertretung seiner Interessen zunächst an einen Prokurator und stattete diesen mit umfang- reichen Vollmachten aus. Der Prokurator beauftragte dann einen Anwalt (advo- catus), der sich mit den problematischen Rechtsfragen befassen und ggf. einen Schriftsatz entwerfen sollte.32 Zu Zeiten Napoleons wurde diese Zweiteilung der Anwaltschaft in weiten Teilen Europas beseitigt,33 aber nicht überall: In Frankreich beispielsweise trennte man noch bis vor einigen Jahrzehnten den avocat vom avoué. Während dem avocat das mündliche Plädoyer vorbehalten war und er einen freien Beruf ausübte, oblag dem avoué ein beamtenähnliches Amt bei Gericht zur Abwick- lung der Prozessformalitäten.34 Dabei verfügte jeder der beiden über eine Mono- polstellung: nur der avocat durfte mündlich plädieren, nur der avoué durfte ein Gerichtsverfahren einleiten. Es ist leicht einsichtig, dass dieses Verfahren wenig effizient war, musste sich doch der klagewillige Mandant gleich zweier Juristen bedienen, die er selbstverständlich auch...

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