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Wegsperren oder einschließen?

Die Praxis der Freiheitsstrafe zwischen Inklusion und Exklusion

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Edited By Edeltraud Koller, Ferdinand Reisinger and Michael Rosenberger

«Schwerstkriminelle gehören für immer weggesperrt!» Diese Aussage kann man immer wieder und, wie es scheint, immer öfter hören – in Zeitungen, an Stammtischen, ja sogar in Reden von PolitikerInnen. Eine derartige Forderung sieht den Sinn der Freiheitsstrafe offenkundig in der gesellschaftlichen Exklusion von Menschen. Dieser Position stehen aber seit den 1970er Jahren eine Straftheorie und -praxis entgegen, die das Ziel von Strafe in der Reintegration der TäterInnen sehen: Menschen werden aus der Gesellschaft ausgeschlossen, um ihnen schrittweise die soziale Integration bzw. Inklusion zu ermöglichen. Inwiefern kann aber die Praxis des Strafvollzugs das Einschließen in die Gesellschaft überhaupt fördern? Welche Inklusions- und Exklusionsprozesse laufen im Mikrosystem Gefängnis selbst ab? Und was ist daraus für die Straftheorie und Strafpraxis zu folgern?

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Ferdinand Reisinger

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„Drinnen / draußen“: Das Gefängnis als Extremfall … 1 Mut zum nicht leicht fassbaren Thema Gefängnis Was mag die Motivation sein, die dazu animiert, einlädt, verführt, sich mit der Wirklichkeit von gefangensein bzw. des gefängnisses zu beschäftigen? Es ist ja im üblichen alltagsgespräch wie auch in der wissenschaftlichen (zumal soziologischen) Beschäftigung eher ein Tabubereich. Was regt TheologInnen dazu an, sich auf den Weg zu machen und nicht erschrocken haltzumachen vor gefängnistoren; und nicht nur das Draußen, sondern auch das Drinnen in augenschein zu nehmen? Voyeuristische ambitionen sind es nicht; und der oberflächliche Mitleidseffekt mit „Menschen hinter Schloss und Riegel“ ist es auch nicht… Es ist eine wissenschaftliche absicht, die das Theologietreiben rückbinden will an Tatsachen und Lebenswirklichkeiten, die in unserer gesellschaft als Randphänomene erachtet werden. In der primären Quelle, mit der sich Theo- logInnen befassen, in der Bibel ist die Tatsache des ge- und Befangenseins sehr oft Thema und gegenstand. Und im Kriterienkatalog Jesu, in dem nach heils- relevanten Einstellungen und Praktiken gefragt wird, in der sogenannten „Welt- gerichtsrede“ (Mt 25) findet sich unter den „Werken der Barmherzigkeit“ auch die anfrage: „Ich war im gefängnis, und ihr habt mich (nicht) besucht“ (Mt 25,36). Um den wissenschaftlich interessierten, mutigen Versuch, die gefängnis- Wirklichkeit aufzusuchen, ging es beim Symposion an der Katholisch-Theolo- gischen Privatuniversität (KTU Linz) im Oktober 2009. Fünf ReferentInnen (aus verschiedenen Ländern) und ca. fünfundzwanzig weitere TeilnehmerIn- nen er...

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