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Wegsperren oder einschließen?

Die Praxis der Freiheitsstrafe zwischen Inklusion und Exklusion

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Edited By Edeltraud Koller, Ferdinand Reisinger and Michael Rosenberger

«Schwerstkriminelle gehören für immer weggesperrt!» Diese Aussage kann man immer wieder und, wie es scheint, immer öfter hören – in Zeitungen, an Stammtischen, ja sogar in Reden von PolitikerInnen. Eine derartige Forderung sieht den Sinn der Freiheitsstrafe offenkundig in der gesellschaftlichen Exklusion von Menschen. Dieser Position stehen aber seit den 1970er Jahren eine Straftheorie und -praxis entgegen, die das Ziel von Strafe in der Reintegration der TäterInnen sehen: Menschen werden aus der Gesellschaft ausgeschlossen, um ihnen schrittweise die soziale Integration bzw. Inklusion zu ermöglichen. Inwiefern kann aber die Praxis des Strafvollzugs das Einschließen in die Gesellschaft überhaupt fördern? Welche Inklusions- und Exklusionsprozesse laufen im Mikrosystem Gefängnis selbst ab? Und was ist daraus für die Straftheorie und Strafpraxis zu folgern?

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Edeltraud Koller

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1 Das Gefängnis – ein exemplarischer Ort von Inklusions- und Exklusionsmechanismen 1 Das Forschungsinteresse Der Blick auf das gefängnis, welcher in diesem Buch unternommen wurde, war motiviert durch die Frage: Was lässt sich aus den Einschluss- und ausschluss- vorgängen im Kontext gefängnis für das Verständnis von Mechanismen der sozialen Inklusion und Exklusion erkennen und lernen? Dieser Sammelband und das zugrunde liegende Symposium sind Teil eines breiter angelegten For- schungsprojektes, das die „sozialen Mechanismen“ von Inklusion und Exklu- sion untersucht. Das gefängnis ist in gewisser Weise ein Extremfall des Exkludierens: Erstens macht es den ausschluss besonders sichtbar. In kaum einem anderen Bereich ist die Exklusion derart augenscheinlich wie hier aufgrund des physischen Frei- heitsentzugs und der weitgehenden expliziten Fremdbestimmung. Zweitens handelt es sich dabei um einen gesellschaftlichen ausschluss, der gewollt ist. Der Kontext gefängnis erscheint, und dies macht seine attraktivität für sozio- logische Untersuchungen aus, als Ort, an dem elementare soziale Verhaltens- weisen studiert werden können. Dabei geht es allerdings nicht ausschließlich um die sozialen Zusammenhänge im gefängnis selbst. Die Haft hat vor allem auch exemplarische Bedeutung für dieses Erkenntnisinteresse und kann für das Verständnis von Inklusion und Exklusion im allgemeinen lehrreich sein. Das gefängnis weist spezifische Charakteristika auf, wodurch es als eine art „Reagenzglas“ bzw. „Forschungslabor“ für soziologische Untersuchungen fungiert: Erstens haben wir hier ein institutionell extrem geschlossenes System vor uns, 1 Ich danke Michael Rosenberger und Ferdinand Reisinger für...

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