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Schuldlose Verantwortung

Vorgaben der Hirnforschung für Ethik und Strafrecht

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Michel Julien Friedman

Das Buch nimmt den von Hirnforschern vorgeschlagenen naturalistischen Standpunkt ein. Es fragt nach dessen Plausibilität hinsichtlich der Begründung unseres Schuldstrafrechts und den damit verbundenen Grundlagen philosophischer Ethik. Dabei erinnert sein Autor daran, dass unsere herrschenden Ethiken ein moralisierendes Werturteil unkritisch voraussetzen. Der Grund der Ethik scheint jenseits der Naturerklärungen zu liegen und sie erklären sich jeweils a priori für gut. Diese Zirkelhaftigkeit der Begründung von Ethik in den Konzepten einer Vernunftethik ist in den biologischen Begründungen von Ethik und Moral überwunden. Ethik und Moral fügen sich vollständig in den Nutzen der Lebensfunktionen menschlicher Individuen und ihrer sozialen Gemeinschaft ein. Der Autor spricht sich dafür aus, den Sinn juristischer Konzepte von Schuld und Strafe als eine Herausforderung anzunehmen, statt sie als eine Bedrohung für herrschende Systeme abzuwehren.

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Einleitung 11

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11 Einleitung Unsere Gegenwart sieht sich konfrontiert mit der Frage, inwiefern die Ergebnis- se neurobiologischer Forschung Konsequenzen für das deutsche Strafrecht nach sich ziehen müssen. Die Notwendigkeit der Fragestellung resultiert aus der na- turwissenschaftlich begründeten Vermutung, dass die Präsupposition eines frei- en Willens problematisch ist. Sowohl in der Öffentlichkeit als auch in der Fachliteratur haben sich inzwi- schen zwei Lager gebildet. Auf der einen Seite stehen die Vertreter einer materi- alistischen oder naturalistischen Denkhaltung, die sich ohne Schwierigkeiten der Vorstellung öffnen, dass die Auffassung einer Willensfreiheit allenfalls eine le- bensdienliche Illusion sein könnte, weil sich keine Analogie in der Beobachtung des lebenden Gehirns damit verbinden lässt. Auf der anderen Seite stehen Tradi- tionalisten, denen das immer schon herrschende Selbstverständnis des Men- schen, das Bewusstsein der Willensfreiheit als eine reale Beschaffenheit der Welt zu verstehen, unwiderlegbares Faktum ist. Zu den Vertretern der ersten Po- sition gehört in erster Linie Gerhard Roth, Hans Markowitsch, Frans de Waal, Reinhard Merkel, Grischa Merkel, in abgeschwächter Form auch Wolf Singer, Wolfgang Prinz sowie zahlreiche andere wie Daniel Dennett und Richard Daw- kins sowie jüngere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wie Anja Schie- mann und Gunnar Spilgies. Dagegen argumentieren Autorinnen und Autoren, die einer wissenschaftlichen oder kirchlichen Institution verpflichtet sind oder aber als Vertreter des Alltagsverstandes dessen Selbstverständnis zu bestätigen suchen. Wir werden zeigen, dass diese Auffassungen zumeist auf einer für das wissenschaftliche Vorgehen fragwürdigen Voraussetzung beruhen: Sie erklären die Folgen der neurobiologischen...

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