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Atomkraft als Risiko

Analysen und Konsequenzen nach Tschernobyl

Edited By Lutz Mez, Lars Gerhold and Gerhard de Haan

Ein Vierteljahrhundert ist vergangen, seit am 26. April 1986 der vierte Reaktorblock des Atomkraftwerks Tschernobyl völlig zerstört und damit die bis heute schwerste Katastrophe in der zivilen Nutzung der Kernenergie ausgelöst wurde. Aber die verheerenden Auswirkungen des Unfalls und insbesondere die Risiken der atomaren Großtechnologie und deren Folgen für Mensch und Natur geraten zunehmend in Vergessenheit. Atomkraft als Risiko stellt eine interdisziplinäre Untersuchung der Katastrophe aus heutiger Perspektive vor. Nach einer Einführung in den Atomkonflikt werden Fragen thematisiert, die in der aktuellen Diskussion kaum präsent sind. Welche Wirkungen hatte der Super-GAU auf die Ökosysteme und die Nahrungskette? Kann eine Katastrophe wie die von Tschernobyl für die Zukunft ausgeschlossen werden? Wie haben sich seit der Reaktorkatastrophe die Einstellungen zur Kernenergie verändert? Gibt es eine Krise der kerntechnischen Fachkompetenz?

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Analyse und Folgen des Super-GAUs

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15 Der Atomkonflikt nach Tschernobyl Lutz Mez Am 26. April 2006 jährte sich die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl zum zwanzigsten Mal. Der Super-GAU im Frühjahr 1986 in der Ukraine beschleunigte den Ausstieg aus der Atomenergie in einer Reihe von westlichen Industrieländern, der bereits Ende der 1970er Jahre in den USA begonnen hatte. Nach der Kernschmelze im Reaktor TMI-2 in Harrisburg, Pennsylvania, 1979 wurden fast zwei Drittel der US-AKW-Projekte storniert. 1996 ging in den USA das vorerst letzte AKW – Watts Bar-1 – nach mehr als 23 Jahren Bauzeit ans Netz. In Europa wurden die Atomprogramme in Österreich und Dänemark bereits vor Tschernobyl ad acta gelegt. Nach 1986 entschieden sich Italien, die Niederlande, Belgien, Schweden und Deutschland zum Ausstieg aus der Atomenergie und setzten diesen Beschluss zum Teil auch bereits um. Ein Atom- Moratorium gibt es in Spanien und der Schweiz. Anders die Entwicklung in Osteuropa: Nach Tschernobyl konnte die Anti- AKW-Bewegung im Zeichen von Glasnost und Perestroika zwar Baustopps bei Atomprojekten und ein Atommoratorium in der Sowjetunion erreichen, aber nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion verfolgten die Technokraten im Energiesektor die alten Programme und Projekte unbeirrt weiter. Auch die ostmittel- und osteuropäischen Staaten setzten nach der nationalen Unabhängigkeit weiter auf Atomtechnik. Lediglich in Polen wurde 1990 der Bau des Atomkraftwerkes arnowiec westlich von Danzig durch ein lokales Referendum verhindert. Für die Europäische Union stellt die Atomkraft in den neuen Mitgliedsstaaten ein Problem dar. Viele der Atomkraftwerke, die in Ostmitteleuropa und Osteuropa betrieben oder gebaut werden, stehen...

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