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Armee gegen das Volk?

Zeitgenössische Studie mit Dokumenten zur Einsatzplanung des Militärs im Innern der DDR (1949-1965/66)

Günther Glaser

Entgegen anders lautenden Erklärungen planten die SED-, die Staats- und die Armeeführung streng geheim den Einsatz militärischer Kräfte in Konfliktsituationen im Innern der DDR. Auf der Grundlage neu erschlossener und bisher nur teilweise bekannter Archivalien wird dies erstmals durchgehend für fast 20 Jahre belegt. Der Autor sucht nach Antworten auf die Frage, mit welchen Absichten die Spitzen dies taten und welchen Einfluss die sowjetische Führungsmacht darauf nahm. Thematisiert wird, wie die Politik von SED und Regierung in der Gesellschaft aufgenommen wurde und ob die Aussicht bestand, dass die Jugend als Waffenträger sich gegen Andersdenkende einsetzen lassen würde. Will der Autor damit den Blick auf den Beitrag von NVA-Angehörigen zur friedlichen Revolution in der DDR 1989/90 öffnen?

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Der Einsatz von Militär im Innern des Landes als historisches Problem 13

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13 Der Einsatz von Militär im Innern des Landes als historisches Problem Der Nordamerikanische Unabhängigkeitskrieg 1775 bis 1783 und die französi- sche Revolution 1789 bis 1799 führten zu weltgeschichtlichen Veränderungen im Allgemeinen und zur Gewaltenteilung im Besonderen. Dies hatte – nun wage ich mich auf ein Gebiet anderer Fachkollegen – unmittelbar und mittelbar eine historische Evolution des Militärwesens und der Kriegsführung zur Folge. In diesem Prozess wurde das Söldnerwesen abgeschafft, entstand „das moderne Kriegssystem, wie Napoleon es ... ausbildete. Seine zwei Pivots (Schwenkzapfen an Drehkränen u. a. – G. G.) sind: Massenhaftigkeit der Angriffsmittel an Men- schen, Pferden und Geschützen und Beweglichkeit dieser Angriffsmittel“.6 Ko- lossale Massen von bewaffneten Menschen und Material mit neuen Kampfei- genschaften entstanden. So gelang es im Zuge der Levee en Masse, „bis zu eine Million Soldaten zu mobilisieren und Frankreich bis Ende Juni 1794 militärisch zu sichern“. Der gebildeten Nationalgarde, einer Bürgerwehr, „oblag die Siche- rung der inneren Stabilität, während dem stehenden Heer die Sicherung der äu- ßeren Grenzen verblieb. Mit dieser organisatorischen Neuerung ging auch eine gesellschaftliche Aufwertung des Militärdienstes einher.“ Gerhard von Scharn- horst „bilanzierte 1797, ‚dass die Franzosen mit den Hilfsquellen der ganzen Na- tion Krieg führten ...‘“7 Für die Polizei wurde in Preußen im 18. Jahrhundert bestimmt8, „die Staats- sicherheit“ im Innern zu gewährleisten, aber auch die „Wohlfahrt“ zu fördern. Sie konnte Zwang anwenden. Hinsichtlich „der nicht für kriegerische Zwecke, sondern für...

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