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Schwärmerei und Aufklärung

Die kurländische Freifrau Elisa von der Recke (1754-1833) in den Geisteskämpfen ihrer Zeit

Erich Donnert

Die Forschung der letzten Jahre hat sich verstärkt dem «Sichtbaren und Unsichtbaren» bzw. der Nacht oder Rückseite der Aufklärung zugewandt und das Fortleben hermetischer Elemente im Denken des 18. Jahrhunderts verdeutlicht. Elisa von der Recke galt zu ihrer Zeit als eine bekannte Frauengestalt der deutschen Aufklärung. Als solche gehörte sie zu denen, die in die Auseinandersetzungen zwischen Schwärmern und Aufklärern verwickelt wurden, so in ihrer Kampfschrift gegen Cagliostro von 1787 und ihrer Polemik 1788 mit dem Darmstädter Oberhofprediger Johann August Starck.

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Mystik, Schwärmerei, Aberglauben, Geisterseherei und Aufklärung 6

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6 Mystik, Schwärmerei, Aberglauben, Geisterseherei und Aufklärung Elisa von der Recke: Kurländisches Leben Das unter polnischer Oberherrschaft stehende Herzogtum Kurland1, das E- lisa von der Recke zeitlebens in all ihren Schriften, Gedichten, Aufzeichnungen und Briefen als ihr Heimat- und Vaterland bezeichnete, war mit seiner Hauptstadt Mitau (Jelgava) im Vergleich zum Russischen Reich gehörenden Livland mit der Metropole Riga zwar ein halbselbständiges Staatswesen, dabei jedoch eher ein armes Land. Umso erstaunlicher nahmen sich die Leistungen aus, die dort auf dem Gebiet von Bildung, Gelehrsamkeit und Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse erzielt wurden. Ein bedeutendes Verdienst kam hierbei der 1775 ge- gründeten Mitauer Academia Petrina2 mitsamt ihren Professoren, Lehrern und Studierenden zu. Die 144 Gelehrten, die man in Mitau zählte, übten einen bedeu- tenden Einfluss auf das kulturelle und geistige Leben in dem kleinen Ländchen aus. Die als Halbuniversität wirkende Hohe Schule mit ihren wissenschaftlichen und kulturellen Einrichtungen stellte zweifelsohne den Mittelpunkt des geistigen Lebens der Residenzstadt Mitau dar. Eine besondere Rolle spielte in diesem Zu- sammenhang die städtische Freimaurerloge Zu den drei gekrönten Schwertern, der nicht nur die Akademieprofessoren, sondern ebenso die meisten Hofbeamten, Advokaten, Verlagsbuchhändler und zahlreiche Adlige angehörten. Die Zeitge- nossen haben die Mitauer Akademie mit großem Lob bedacht. Freilich fehlten auch kritische Stimmen nicht. Die Einwände richteten sich vornehmlich gegen den Charakter der Lehranstalt als Mittelding zwischen Universität und Gymnasi- um. Die Kritiker wünschten sich für Kurland eine wohlausgestattete Schule, wo den...

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