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Schwärmerei und Aufklärung

Die kurländische Freifrau Elisa von der Recke (1754-1833) in den Geisteskämpfen ihrer Zeit

Erich Donnert

Die Forschung der letzten Jahre hat sich verstärkt dem «Sichtbaren und Unsichtbaren» bzw. der Nacht oder Rückseite der Aufklärung zugewandt und das Fortleben hermetischer Elemente im Denken des 18. Jahrhunderts verdeutlicht. Elisa von der Recke galt zu ihrer Zeit als eine bekannte Frauengestalt der deutschen Aufklärung. Als solche gehörte sie zu denen, die in die Auseinandersetzungen zwischen Schwärmern und Aufklärern verwickelt wurden, so in ihrer Kampfschrift gegen Cagliostro von 1787 und ihrer Polemik 1788 mit dem Darmstädter Oberhofprediger Johann August Starck.

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Soziale Reformbestrebungen 56

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56 Soziale Reformbestrebungen In den Monaten ihres Aufenthalts am Petersburger Kaiserhof von Juli bis Oktober 1795 nahmen Elisas Pläne, Vorhaben und Bestrebungen konkrete Gestalt an, was einen Umschwung in ihrer Sinnesart anzeigte, die bislang in starkem Ma- ße auf Beschaulichkeit ausgerichtet war. Dabei wurde der Einfluss, der von der Kaiserin auf sie ausging, ganz deutlich, hatte die russische Herrscherin doch be- reits in ihren ersten Regierungsjahren mehrere aufgeklärte Personen mit der Aus- arbeitung von Reformprojekten beauftragt. Über Katharinas Anregungen, die von ihr persönlich kamen, hat die Kurländerin selbst berichtet: „Ihre geistreichen und doch anspruchslosen Gespräche hoben meine Betrachtungen zu den großen Welt- ansichten empor, die auf einem so hohen Standpunkte ihrem umfassenden Blick vorschwebten“160. Nach ihrer Scheidung wirtschaftlich in eine missliche Situation geraten, sah sich Elisa von der Recke kaum in der Lage, ein standesgemäßes Leben zu führen. Das Gütchen Sübern bei Goldingen, das sie käuflich erworben hatte, umfasste gerade fünf Gesinde und erbrachte nur bescheidene Revenüen. An eine Verbesse- rung der althergebrachten Wirtschaftsweise war ohne Einsatz von Finanzmitteln nicht zu denken. Völlig andere Perspektiven ergaben sich durch die Erwerbung des großen Domänenguts Pfalzgrafen bei Mitau, das die Kaiserin ihr als Lebtags- besitz zur Nutzniesung überließ: „Ich trete in einen Kreis von Rechten und Pflich- ten“, schrieb Frau von der Recke jetzt, wie sie von der Kaiserin nun offiziell titu- liert wurde, „da ist etwas zu wirken, etwas zu schaffen: meine Tage, hoffe...

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