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Schwärmerei und Aufklärung

Die kurländische Freifrau Elisa von der Recke (1754-1833) in den Geisteskämpfen ihrer Zeit

Erich Donnert

Die Forschung der letzten Jahre hat sich verstärkt dem «Sichtbaren und Unsichtbaren» bzw. der Nacht oder Rückseite der Aufklärung zugewandt und das Fortleben hermetischer Elemente im Denken des 18. Jahrhunderts verdeutlicht. Elisa von der Recke galt zu ihrer Zeit als eine bekannte Frauengestalt der deutschen Aufklärung. Als solche gehörte sie zu denen, die in die Auseinandersetzungen zwischen Schwärmern und Aufklärern verwickelt wurden, so in ihrer Kampfschrift gegen Cagliostro von 1787 und ihrer Polemik 1788 mit dem Darmstädter Oberhofprediger Johann August Starck.

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64 Gesamtblick Mit dem Verlust ihrer Kräfte lösten sich die in der Elisa von der Recke um- gebenden Welt überkommenen Lebens- und Glaubensformen allmählich auf und zerfielen. Teile des Adels hielten jedoch noch an Resten früherer Bewusstseins- formen fest, die keine echte Wirksamkeit mehr besaßen, was zu Betrug und Selbstbetrug führte. Gerade in den abgelegenen Landsitzen und Schlössern Kur- lands, insbesondere der Umgegend von Mitau, befasste man sich mit Versuchen, um Gold zu gewinnen, verstand den Sinn der religiösen Symbolik nicht mehr und glaubte, durch magische Praktiken unmittelbare Verbindungen zu dem Erlöser herstellen zu können. Zu ihnen gehörte auch Elisas Vater, der Reichsgraf Johann Friedrich von Medem (1722-1785). Er hatte Neigungen zu alchimistischen Stu- dien und stand unter dem Einfluss des schwedischen Mystikers und Freimaurers Emanuel Svedenborg. Freifrau Elisa von der Recke, seine Tochter, war nach dem Tod des Reichs- grafen und dem Urteil der Zeitgenossen bereits eine der aufgeklärtesten Frauen ihrer Zeit, versehen mit ausgebildeten Talenten des Geistes und Herzens. Als geb. v. Medem nahm sie innerhalb des kurländischen Adels ungeachtet ihrer unglück- lichen Heirat und Scheidung eine geachtete Stellung ein. Nach den Gepflogenhei- ten der kurländischen Adelsgesellschaft der Zeit verheiratet, beharrte sie auf dem Recht der Frau, „auch eine Seele“ zu haben und suchte im Widerstreit der Geis- tesrichtungen zwischen schwärmerischer Empfindsamkeit und verstandesmäßiger Aufklärung auch im eigenen Erleben den Weg zur Vollkommenheit. Zu einer Persönlichkeit herangereift, wurde sie...

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