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Der Überläufer

Rudolf Diels (1900-1957) – der erste Gestapo-Chef des Hitler-Regimes

Klaus Wallbaum

Rudolf Diels war eine schillernde Persönlichkeit im Dritten Reich, und er war in mehrfacher Hinsicht untypisch. In jungen Jahren ein Liberaler, spielte er zum Ende der Weimarer Republik verschiedene Rollen. Diels arbeitete den Nazis zu, unterstützte aber gleichzeitig den Reichskanzler Kurt von Schleicher in seinem Bemühen, die NS-Bewegung zu spalten. Außerdem hielt er engen Kontakt zu den Kommunisten. Diels wurde 1933 ein wichtiger Mitarbeiter von Hermann Göring. Er wurde als Überläufer von Nazi-Anhängern angefeindet und sah sich zu Treueschwüren gegenüber seinen ärgsten Widersachern, Himmler und Heydrich, gezwungen. Nach 1945 verspürte Diels den Drang, seinen Wechsel zum NS-Regime zu rechtfertigen. Damit verhielt er sich ganz anders als andere belastete Funktionäre aus der NS-Zeit, die mit ihrer stillen und angepassten Art den Wiederaufstieg in der Bundesrepublik organisierten. Diels aber blieb ausgegrenzt, bis zu seinem überraschenden Tod 1957. Das Buch zeigt die Widersprüchlichkeit der Persönlichkeit von Diels und erklärt die Rätselhaftigkeit seines Wirkens.

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Vorwort- 11

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11 Vorwort Die Untersuchung von Klaus Wallbaum analysiert umfassend die bisher nur punktuell beleuchtete politische Rolle von Rudolf Diels, einem der wichtigsten bürgerlichen Überläufer der Weimarer Demokratie, der bei der Errichtung der NS-Diktatur als Chef der geheimen Staatspolizei eine führende Rolle gespielt hat. Nach 1945 hat Diels öffentlich wirksam Rechtfertigungsstrategien für die beam- teten Trägerschichten des Dritten Reiches entwickelt. Er kehrte aber anders als viele Funktionsträger des Hitler-Regimes - in keine machtpolitische Stellung zu- rück. Im Unterschied zur bisherigen Forschung gelingt es dem Autoren durch die Aus- wertung einer Fülle bisher nicht herangezogener und zugänglicher Quellen, die politische Gesamtentwicklung von Diels, die in ihrer vielfachen Widersprüchlich- keit bisher nicht in den Blick genommen wurde, minuziös nachzuzeichnen. Die Selbstbeschreibungen von Diels werden dabei durch die Heranziehung der Er- gebnisse der historischen Forschung kritisch überprüft und oftmals falsifiziert. Durchgehend zeigt sich, dass Diels eine an der Funktionsfähigkeit des Staates an sich orientierte politische Charakterstruktur besaß, die durch das Schwanken zwi- schen sich ausschließenden Positionen bestimmt war, und die er je nach Machtlage auflöste. Bei der Vorbereitung des Putsches von von Papen am 20. Juli 1932 gegen die preußische Regierung lieferte er auf der einen Seite dem Reichs- kanzler Material über eine geplante Kooperation von SPD und KPD, hielt aber auch die politischen Beziehungen zur kommunistischen Seite aufrecht. Nach dem erfolgten Staatsstreich gegen die Regierung Braun war es für ihn kein größerer Schritt, seine Bindungen...

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