Show Less

Der Überläufer

Rudolf Diels (1900-1957) – der erste Gestapo-Chef des Hitler-Regimes

Klaus Wallbaum

Rudolf Diels war eine schillernde Persönlichkeit im Dritten Reich, und er war in mehrfacher Hinsicht untypisch. In jungen Jahren ein Liberaler, spielte er zum Ende der Weimarer Republik verschiedene Rollen. Diels arbeitete den Nazis zu, unterstützte aber gleichzeitig den Reichskanzler Kurt von Schleicher in seinem Bemühen, die NS-Bewegung zu spalten. Außerdem hielt er engen Kontakt zu den Kommunisten. Diels wurde 1933 ein wichtiger Mitarbeiter von Hermann Göring. Er wurde als Überläufer von Nazi-Anhängern angefeindet und sah sich zu Treueschwüren gegenüber seinen ärgsten Widersachern, Himmler und Heydrich, gezwungen. Nach 1945 verspürte Diels den Drang, seinen Wechsel zum NS-Regime zu rechtfertigen. Damit verhielt er sich ganz anders als andere belastete Funktionäre aus der NS-Zeit, die mit ihrer stillen und angepassten Art den Wiederaufstieg in der Bundesrepublik organisierten. Diels aber blieb ausgegrenzt, bis zu seinem überraschenden Tod 1957. Das Buch zeigt die Widersprüchlichkeit der Persönlichkeit von Diels und erklärt die Rätselhaftigkeit seines Wirkens.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

8. Wechsel zu den „Reichswerken Hermann Göring“ - 219

Extract

219 8. Wechsel zu den „Reichswerken Hermann Göring“ 8.1. Das vermeintlich „unpolitische Amt“ Rudolf Diels, der Jurist und frühere Geheimdienstchef aus Hermann Görings Umfeld, betrat 1942 eine ganz andere Bühne – das Management eines Wirt- schaftsbetriebes. Er wurde damit aktiv in einem Feld, das für ihn selbst nicht ungewohnt war. Schon 1930, als er die Industriellentochter Hildegard Mannes- mann geheiratet hatte, fand Diels Kontakt zu Wirtschaftskreisen. Jetzt wurde er im Auftrag Görings in der Binnenschifffahrtsverwaltung eingesetzt. Glaubt man Diels, dann war er mit dem Wechsel zu den „Reichswerken Her- mann Göring“ auf ein Abstellgleis geschoben worden. Zu „Spiegel“-Chefre- dakteur Rudolf Augstein1 hatte Diels nach Kriegsende ein gutes Verhältnis auf- gebaut, und so liegt die Vermutung nahe, dass Diels bei den Formulierungen für einen „Spiegel“-Artikel am 12. Mai 1949 Pate stand. Dort hieß es: „Da entsann sich Göring seines Günstlings und bot ihm die Leitung der Binnenschifffahrts- Abteilung der Reichswerke an. Es war ein unpolitisches Amt. Diels nannte sich Generaldirektor. Von Binnenschifffahrt verstand der nichts. Nach kurzer Zeit galt er als Binnenschifffahrtsfachmann. Der Reichskommissar für die deutsche Seeschifffahrt, Hamburgs Gauleiter Kaufmann, mit Diels gut bekannt, machte ihn dazu noch zum Reichskommissar für die Schifffahrt auf dem Schwarzen Meer. Die Herrlichkeit dauerte zwei Tage. Die Briefköpfe waren gerade ge- druckt, als Diels auf Betreiben Himmlers das Reichskommissariat abgab.“2 Im Spruchgerichtsverfahren gegen ihn lieferte Diels die folgende Erklärung: Wegen „Zwistigkeiten mit dem Gauleiter Lauterbacher hinsichtlich der...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.