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Der deutsche Teil des Florianer Psalters

Sprachanalyse und kulturgeschichtliche Einordnung

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Rudolf Hanamann

Der Florianer Psalter, eine dreisprachig (lateinisch-polnisch-deutsch) angelegte Psalmenübersetzung des 14./15. Jahrhunderts, steht am Beginn der polnischen Schriftlichkeit. In Ergänzung zu den zahlreichen Untersuchungen zur polnischen Sprache in dieser bedeutenden Quelle widmet sich die Arbeit dem deutschsprachigen Teil, dessen Sprachform und Übersetzungsstil analysiert werden. Im Rahmen der kulturgeschichtlichen Einordnung liegt ein Schwerpunkt auf der Lokalisation, bei der das im mittelalterlichen Krakau verwendete Deutsch im Mittelpunkt steht. Daneben wird die Stellung des Florianus innerhalb der schlesisch-böhmischen Psalmengruppe beschrieben. Grundlage des Vergleichs bildet eine Edition der Bußpsalmen dieser weitgehend unveröffentlichten Psalterien.

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1 Überblick über den aktuellen Forschungsstand -13

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13 1 Überblick über den aktuellen Forschungsstand Blickt man auf die Forschungsgeschichte1 des Florianer Psalters, so umfaßt sie einen Zeit- raum von knapp 180 Jahren. 1827 wurde der dreisprachige Codex in der Bibliothek des Au- gustiner Chorherrenstifts Sankt Florian bei Linz in Oberösterreich wiederentdeckt - aus die- sem Grunde auch die Bezeichnung Florianer Psalter. Seit dem Erwerb durch die Republik Polen im Jahre 1931 befindet er sich in der Biblioteka Narodowa zu Warschau unter der Sig- natur Rps BN 80022 als eine der größten Kostbarkeiten. Bereits im Jahr des Wiederauffindens der Handschrift 1827 publizieren die Bibliothekare J. S. Bandtkie, J. Chmel und B. Kopitar eine Abhandlung, die sowohl lateinisch3 als auch polnisch4 erscheint. Bezüglich der deutschen Sprache konstatiert Bandtkie darin einen Zusammenhang zum Deutsch der Krakauer Stadturkunden (Wilk=rn und Satzungen) der Jahre 1367 und 13855, was B. Kopitar 1836 in seinem Anti-Tartar6 erneut bekräftigt. Darin kulminiert der zunächst in den Wiener Jahrbüchern der Literatur7 ausgetragene und durch die Editio princeps8 vom Jahre 1834 sowie durch die Monographie über die Geschichte des ältesten polnischen Psalters9 vom Jahre 1835 verschärfte Gelehrtenstreit mit dem Grafen S. Dunin- Borkowski. In dieser Polemik wird der Graf unter anderem als Halbgelehrter und Viertelmä- zen, der einen Drittelbeitrag geleistet habe, abqualifiziert, der die ausgepresste Zitrone (Ko- pitar) nun glaubte wegwerfen zu können. S. Dunin-Borkowski, so heißt es dort, hätte die Her- ausgabe des Psalters lieber lassen sollen, auch wenn ihm die Ehre des Titelblattes...

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