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Geheimsprachen in Mittel- und Südosteuropa

Christian Efing and Corinna Leschber

Nicht selten verwenden wir im Alltag Wörter wie pennen (schlafen) oder Kohldampf (Hunger), ohne zu wissen, dass sie ursprünglich aus sogenannten Geheim- und Sondersprachen stammen. Dabei werden bzw. wurden solche Geheimsprachen fast überall in Europa gesprochen. Dieser Band versammelt Aufsätze vor allem zu Geheimsprachen in Mittel-, Ostmittel- und Südosteuropa und deckt thematisch die ganze Bandbreite der Sondersprachenforschung ab – von theoretischen Fragen wie der Einordnung der Sondersprachen in das Varietätensystem über Sondersprachliches in der Literatur, historische Quellen von Sondersprachen, die lexikographische Erfassung rotwelschen Wortgutes in Dialektwörterbüchern und die empirische Erhebung letzter, heute noch feststellbarer Reste verschiedener Sondersprachen bis hin zu geheimsprachlichen Strukturen im aktuellen Sprachgebrauch von Roma.

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HANSJÖRG ROTH (Basel) - Das Jenisch-Glossar aus dem „Großen Gaunerprozess“ 1824-1826 - 59

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Hansjörg Roth (Basel) Das Jenisch-Glossar aus dem „Großen Gaunerprozess“ 1824-1826 1. Einleitung 1972 wurde die Schweizer Bevölkerung mit einem Stück Vergangenheit kon- frontiert, das – wie auch immer man es wenden wollte – mit zunehmendem Wis- sen zu einem der dunkelsten Kapitel der Landesgeschichte werden sollte: In der Absicht, Kindern aus bedürftigen Familien helfen zu wollen, hatten Schweizer Fürsorgeinstitutionen mit aktiver Unterstützung höchster Regierungsstellen, po- litischer Gremien und regionaler Behörden Fahrende oder Jenische, wie man sie in der Schweiz auch nennt, das heißt: Bürgerinnen und Bürger des eigenen Lan- des, systematisch verfolgt. Der schwere Vorwurf richtete sich primär gegen die Pro Juventute, eine pri- vate Stiftung, die 1912 zum Schutz und zur Erziehung von Kindern und Jugend- lichen aus problematischen Familienverhältnissen gegründet worden war und sich seither ein landesweit erstklassiges Renommee geschaffen hatte. Insbeson- dere richtete sich der Vorwurf aber gegen das Hilfswerk für die Kinder der Landstrasse, 1926 von derselben Stiftung gegründet, sowie gegen weitere Für- sorgeinstitutionen und karitative Organisationen, unter anderem das Seraphische Liebeswerk, das besonders in katholischen Kantonen eine bedeutende Stellung innehatte. Der Vorwurf basierte auf Berichten betroffener Jenischer, die erstmals den Mut gefasst hatten, mit ihren Erlebnissen an die breite Öffentlichkeit zu treten: Berichte über Kindsentführungen, über Einweisung dieser Kinder in Pflegefami- lien, Kinderheime, aus Platzmangel in Zuchthäuser und psychiatrische Anstal- ten, Berichte über Zwangsadoptionen, über Entmündigungen jenischer Eltern, über körperliche und seelische Misshandlungen, Zwangssterilisationen. Berich-...

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