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Geheimsprachen in Mittel- und Südosteuropa

Edited By Christian Efing and Corinna Leschber

Nicht selten verwenden wir im Alltag Wörter wie pennen (schlafen) oder Kohldampf (Hunger), ohne zu wissen, dass sie ursprünglich aus sogenannten Geheim- und Sondersprachen stammen. Dabei werden bzw. wurden solche Geheimsprachen fast überall in Europa gesprochen. Dieser Band versammelt Aufsätze vor allem zu Geheimsprachen in Mittel-, Ostmittel- und Südosteuropa und deckt thematisch die ganze Bandbreite der Sondersprachenforschung ab – von theoretischen Fragen wie der Einordnung der Sondersprachen in das Varietätensystem über Sondersprachliches in der Literatur, historische Quellen von Sondersprachen, die lexikographische Erfassung rotwelschen Wortgutes in Dialektwörterbüchern und die empirische Erhebung letzter, heute noch feststellbarer Reste verschiedener Sondersprachen bis hin zu geheimsprachlichen Strukturen im aktuellen Sprachgebrauch von Roma.

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RUDOLF POST (Freiburg) - Reste von Viehhändlersprachen in der Pfalz, in Baden und im Elsass - 89

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Rudolf Post (Freiburg) Reste von Viehhändlersprachen in der Pfalz, in Baden und im Elsass Der Viehhandel im Südwesten des deutschen Sprachgebietes, hier eingegrenzt auf die Pfalz, Baden und das Elsass, war bis in das erste Drittel des 20. Jahrhun- derts stark von Juden geprägt. Der Viehjud war eine in allen Dörfern bekannte Gestalt, die meist ein schon seit Generationen betreutes Handelsrevier (Medine genannt) hatte, in dem er den Bauern Vieh ab- und verkaufte und auch „seine“ Metzger hatte, die er belieferte. Auf turnusmäßig stattfindenden Viehmärkten fanden sich oft Viehhändler aus einem weiten Einzugsbereich ein, die dort un- tereinander und mit der ländlichen Bevölkerung in Handels- und – was uns hier mehr interessiert – Sprachkontakt kamen. Bis auf den Handel mit Schweinen und Ferkeln, der von jüdischen Händlern nicht oder nur verschämt betrieben wurde, wurden da Pferde, Rinder, Kälber, aber auch kleinere Tiere wie Ziegen und Geflügel verhandelt. Meist war der Handel dieser Landjuden ein mühseliges Geschäft und nur selten konnten einige dieser Juden sich zu Ansehen und Wohlstand hinaufarbeiten, wie eine im Badischen Wörterbuch dokumentierte Anekdote glauben machen könnte. Dort soll 1912 ein Schuljunge gesagt haben: Bei uns kennt man nur drei Herren: Den Pfarrer, den Lehrer und den Viehjud von Tiengen1. Hin und wieder finden sich zu diesen Viehhändlern Spuren in der belletristi- schen Literatur, etwa in THOMAS STRITTMATTERs 1985 erschienenem Theater- stück „Viehjud Levi“ (das auch verfilmt und 1999 auf...

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