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Geheimsprachen in Mittel- und Südosteuropa

Edited By Christian Efing and Corinna Leschber

Nicht selten verwenden wir im Alltag Wörter wie pennen (schlafen) oder Kohldampf (Hunger), ohne zu wissen, dass sie ursprünglich aus sogenannten Geheim- und Sondersprachen stammen. Dabei werden bzw. wurden solche Geheimsprachen fast überall in Europa gesprochen. Dieser Band versammelt Aufsätze vor allem zu Geheimsprachen in Mittel-, Ostmittel- und Südosteuropa und deckt thematisch die ganze Bandbreite der Sondersprachenforschung ab – von theoretischen Fragen wie der Einordnung der Sondersprachen in das Varietätensystem über Sondersprachliches in der Literatur, historische Quellen von Sondersprachen, die lexikographische Erfassung rotwelschen Wortgutes in Dialektwörterbüchern und die empirische Erhebung letzter, heute noch feststellbarer Reste verschiedener Sondersprachen bis hin zu geheimsprachlichen Strukturen im aktuellen Sprachgebrauch von Roma.

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HASSO VON HALDENWANG (Menton, Frankreich) - Zur Eigenständigkeit des Wildensteiner Jenischen - 99

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Hasso von Haldenwang (Menton, Frankreich) Zur Eigenständigkeit des Wildensteiner Jenischen Das V. Internationale Symposium Sondersprachenforschung am 27. und 28.09.2001 in Stuttgart hat eindrücklich gezeigt, wie bedeutsam die Frage der Einordnung der teils extrem unterschiedlichen geheimsprachlichen lokalen Er- scheinungen in die jenische Gesamtsprachlandschaft ist. Der Autor ist als sogenannter Sekundärsprecher seit früher Jugend mit dem in Wildenstein1, Lautenbach, Matzenbach und Unterdeufstetten2 noch bis in die siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts häufig gesprochenen Idiom der Hausier- händler weitgehend vertraut3. Anlässlich des Symposiums referierte er über die Wildensteiner Händler aus historischer, soziokultureller und sprachlicher Sicht. Wie vielerorts siedelte der niedere Adel nach dem 30jährigen Krieg und noch im 18. Jahrhundert auch hier vagierende Freileute als „Schutzverwandte“ an. Die Eigentümer des Rittergutes Wildenstein, Hans Heinrich und Hans Friedrich von Knöringen, siedelten erstmals nachweislich um 1651 „allerlei fremdes Volk“ an. Im Wesentlichen geschah dies in dem nahezu verödeten Dorf zur Schaffung von „Einnahmequellen“, weil diese neuen Siedler jährlich „Schutz-“ oder „Kopfgeld“ an die Herrschaft entrichten mussten. Die ansässige bäuerliche Bevölkerung war fränkisch und reformiert, dagegen stammten die katholischen Händler mehrheitlich aus dem Schwäbischen. Da die Zuwanderer lediglich ein winziges Häuschen, aber kein zu bewirtschaftendes Land erwerben konnten, blieb ihnen nichts übrig, als den Lebensunterhalt im Tagelohn und mit Hausier- handel zu bestreiten. Neben selbstgefertigten Bürstenwaren und Holzarbeiten vertrieb man Textilien, Galanterieartikel und Steingut in der näheren Umge- bung. Einige Familien reisten sogar mit...

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