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Geheimsprachen in Mittel- und Südosteuropa

Edited By Christian Efing and Corinna Leschber

Nicht selten verwenden wir im Alltag Wörter wie pennen (schlafen) oder Kohldampf (Hunger), ohne zu wissen, dass sie ursprünglich aus sogenannten Geheim- und Sondersprachen stammen. Dabei werden bzw. wurden solche Geheimsprachen fast überall in Europa gesprochen. Dieser Band versammelt Aufsätze vor allem zu Geheimsprachen in Mittel-, Ostmittel- und Südosteuropa und deckt thematisch die ganze Bandbreite der Sondersprachenforschung ab – von theoretischen Fragen wie der Einordnung der Sondersprachen in das Varietätensystem über Sondersprachliches in der Literatur, historische Quellen von Sondersprachen, die lexikographische Erfassung rotwelschen Wortgutes in Dialektwörterbüchern und die empirische Erhebung letzter, heute noch feststellbarer Reste verschiedener Sondersprachen bis hin zu geheimsprachlichen Strukturen im aktuellen Sprachgebrauch von Roma.

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OTTÓ HOFFMANN/TAMÁS KIS (PÉCS/DEBRECEN, UNGARN) - Wörterverzeichnis der Diebessprache aus Pinkafeld (Ungarn) - 103

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Ottó HoffmannTamás Kis (Pécs/Debrecen, Ungarn) Wörterverzeichnis der Diebessprache aus Pinkafeld (Ungarn) 1. Die ungarische Sprachwissenschaft erwähnte die ungarländische1 deutsche Diebessprache hauptsächlich im Zusammenhang des städtischen (in erster Linie Budapester) Argots um 1900. Gründliche wissenschaftliche Untersuchungen wurden in diesem Bereich jedoch nie vollendet2. Die mangelnde Erforschung hat mehrere Gründe, aber zwei haben sicher eine wichtige Rolle gespielt. Die Aufmerksamkeit der ungarischen Sprachwissen- schaft richtete sich einerseits traditionell nur auf solche Sprachschichten, wel- chen man in Hinsicht auf die Nationalsprache einen hervorragenden Wert zuer- kannt hat. Der Argot als peripher erachtetes Sprachphänomen aber, erregte kein Interesse bei den ungarischen Sprachwissenschaftlern. Anderseits wurde die `Gesinnung der Sprache´ von den puristischen „Sprachschützern” mitbestimmt. Das gilt für die Zeitspanne mindestens bis zum Ende des Ersten Weltkrieges, da der Einfluss der deutschen Sprache auf die städtische Konversationssprache und in dieser auch auf die Diebessprache in Ungarn noch kraftvoll war. Damals bot sich noch die größte Gelegenheit zum Datensammeln und zur Materialverarbei- tung. Die Puristen wandten sich in ihrer extremistischen Ablehnung gegen alle Einflüsse, welche von „außen her” (besonders von der Richtung des Deutschen und Jiddischen) die ungarische Sprache erreichten. Eine außerordentlich typische Auffassung zeigt z. B. eine kurze Nachricht des Rendészeti Közlöny [Polizeiverordnungsblattes] von 1878, in der sich folgende Ausführungen befinden: „Die Budapester Diebessprache enthält üble jüdisch- deutsche Redewendungen, mit diesen unterhalten sich die Diebe und der ganze Generalstab, welcher aus – zu ihrer...

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