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Geheimsprachen in Mittel- und Südosteuropa

Edited By Christian Efing and Corinna Leschber

Nicht selten verwenden wir im Alltag Wörter wie pennen (schlafen) oder Kohldampf (Hunger), ohne zu wissen, dass sie ursprünglich aus sogenannten Geheim- und Sondersprachen stammen. Dabei werden bzw. wurden solche Geheimsprachen fast überall in Europa gesprochen. Dieser Band versammelt Aufsätze vor allem zu Geheimsprachen in Mittel-, Ostmittel- und Südosteuropa und deckt thematisch die ganze Bandbreite der Sondersprachenforschung ab – von theoretischen Fragen wie der Einordnung der Sondersprachen in das Varietätensystem über Sondersprachliches in der Literatur, historische Quellen von Sondersprachen, die lexikographische Erfassung rotwelschen Wortgutes in Dialektwörterbüchern und die empirische Erhebung letzter, heute noch feststellbarer Reste verschiedener Sondersprachen bis hin zu geheimsprachlichen Strukturen im aktuellen Sprachgebrauch von Roma.

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DIETER BERTSCH (Backnang) - Fallstudie: Das Bleisle, die Händlersprache des Killertals/Zollernalbkreis und die Reste des Jenischen im Killertal - 193

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Dieter Bertsch (Backnang) Fallstudie: Das Bleisle, die Händlersprache des Killertals/Zollernalbkreis und die Reste des Jenischen im Killertal Gang der Untersuchung 1. Die Händlersprache Bleisle entstand im Zuge der Hausierertätigkeit der Be- wohner des Killertals, die von etwa der Mitte des 18. Jahrhunderts bis etwa zur Mitte des 20. Jahrhunderts ausgeübt wurde1. Die seit Ende des 30-jährigen Krie- ges stark angewachsene Bevölkerung konnte sich in dem recht engen von He- chingen nach Südosten ziehenden Tal von der Landwirtschaft nicht mehr allein ernähren2. Zwischen etwa 10 und 25 % der Bewohner vor allem der fünf Dörfer (Hechingen-)Schlatt, Jungingen, (Burladingen-)Killer, (Burl.-)Starzeln und (Burl.-)Hausen, dabei ab der Mitte des 19. Jahrhunderts etwa zur Hälfte Frauen, gingen „auf den Handel“3. Gehandelt wurde mit Holzwaren (vor allem Schlatt) sowie mit Textilien (vor allem Jungingen und Hausen). Die Handelsgebiete, sog. Striche, lagen in Südwürttemberg und vor allem in Südbaden, dem Elsass und der Schweiz4. 2. Die Händlersprache Bleisle entwickelte sich aus dem Rotwelschen mit star- ken Dialektbezügen5. Wann sie sich entwickelte, ist unbekannt6. Der Wortschatz beschränkt sich auf die für Hausierer wichtigen Dinge und umfasst zwischen etwa 200 bis 450 Wörter7. Bezeichnungen für Zahlen fehlen. Rechtschreibregeln gibt es nicht, allein für den Namen der Handelssprache gibt es fünf verschiedene ähnliche Bezeichnungen: Bleisle, Bleislen, Pleisnen, Pleißlen, Bleisla8. Der Na- me bedeutet wohl ´leise` oder ´flüstern`, nach anderer Auffassung ´pl...

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