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Im Spannungsfeld von Klio und Kalliope – Der «Schuhmeier»-Roman von Robert Ascher

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Harald D. Gröller

Die Problematik der Vermischung von Geschichtsschreibung und Dichtung im Bereich des historisch-biographischen Romans ist Thema dieses Buches. Als Beispiel wird der 1933 erschienene Roman «Der Schuhmeier» von Robert Ascher herangezogen, dessen Vorlagen einer quellenkritischen Überprüfung unterzogen werden. Zudem wird der Entstehungskontext im Zusammenhang mit der sozialdemokratischen Kulturpolitik im Roten Wien und vor dem historischen Hintergrund der 1930er Jahre in Österreich skizziert. Weiterhin werden Besonderheiten wie z. B. der gezielte Einsatz von Dialekt untersucht sowie die Intention des Autors bzw. die Wirkung des Romans erörtert.

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2. Das Spannungsfeld von Dichtung und Geschichtsschreibung - 21

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21 2. Das Spannungsfeld von Dichtung und Geschichtsschreibung „Die Geschichte ist eine Erfindung, zu der die Wirklichkeit ihre Materialien liefert.“ [Hans Magnus Enzensberger]6 Wie schon in der Einleitung erwähnt, bereitete es dem Verfasser zunächst ein gehöriges Maß an Ver- wunderung, als er bei renommierten Kollegen aus dem Bereich der Historiographie Robert Aschers Roman Der Schuhmeier in deren entsprechenden Sekundär- literaturlisten angeführt sah, bestand doch mit dessen Untertitel „Roman“ auf den ersten Blick kein Zweifel darüber, zu welchem Bereich dieses Werk zu zählen wäre.7 Bei näherer Betrachtung musste er jedoch fest- stellen, dass dieser Roman exakt jene heikle Frage be- züglich der Abgrenzung der Geschichtsschreibung von der Dichtung berührt, die die Theoretiker der be- troffenen Wissenschaftsbereiche (vor allem auf Seiten der Historiographie in Hinblick auf einen entsprech- 6 Enzensberger, Hans Magnus: Erste Glosse: Über die Geschichte als kollektive Fiktion, in: Ders.: Der kurze Sommer der Anarchie. Buenaventura Durrutis Leben und Tod. Roman. Frankfurt am Main: Suhrkamp (1972), S. 13. 7 Helmut Koopmann hat dahingehend einen „Vorwurf“ formuliert, nämlich: „Bezeichnend ist allerdings, daß die Verfasser derart romanhafter Biographien gelegentlich es scheuen, ihr Werk „Biographie“ zu nennen – offensicht- lich deswegen, weil der Begriff zu zweideutig, die Gattung problematisch geworden ist.“ Koopmann, Helmut: Die Biographie, in: Weissenberger, Klaus (Hrsg.): Prosakunst ohne Erzählen. Die Gattung der nicht-fiktionalen Kunst- prosa. Tübingen: Niemeyer (1985). (=Konzepte der Sprach- und Literaturwissenschaft. 34.), S. 62. Der Grund dieser Problematik wird im Folgenden noch näher...

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