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Im Spannungsfeld von Klio und Kalliope – Der «Schuhmeier»-Roman von Robert Ascher

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Harald D. Gröller

Die Problematik der Vermischung von Geschichtsschreibung und Dichtung im Bereich des historisch-biographischen Romans ist Thema dieses Buches. Als Beispiel wird der 1933 erschienene Roman «Der Schuhmeier» von Robert Ascher herangezogen, dessen Vorlagen einer quellenkritischen Überprüfung unterzogen werden. Zudem wird der Entstehungskontext im Zusammenhang mit der sozialdemokratischen Kulturpolitik im Roten Wien und vor dem historischen Hintergrund der 1930er Jahre in Österreich skizziert. Weiterhin werden Besonderheiten wie z. B. der gezielte Einsatz von Dialekt untersucht sowie die Intention des Autors bzw. die Wirkung des Romans erörtert.

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6. Der Entstehungskontext des Schuhmeier-Romans - 403

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403 6. Der Entstehungskontext des Schuhmeier- Romans Ein nicht unwesentlicher Aspekt dieses Romans ist sein Entstehungskontext und es gilt an dieser Stelle auch die Frage zu beantworten, was Ascher mit diesem fiktiven Roman für seine reale Situation bezweckte? Denn es kann davon ausgegangen werden, dass ein solcher Roman von einem sozialdemokratischen Wiener Bezirksfunktionär zu dieser Zeit nicht zufällig entstanden ist. Darum seien an dieser Stelle noch einige biographische Details zum Autor des Romans angeführt, die auch für das Verständnis der Entstehung des Romans von nicht unwesentlicher Bedeutung sind, denn auch für Ascher gilt: Alles, was wir über die Vergangenheit aussagen, sagen wir von uns selbst aus. Wir können nie von etwas anderem reden, etwas anderes erkennen als uns selbst. Aber indem wir uns in die Vergangenheit versenken, entdecken wir neue Möglich- keiten unseres Ichs, erweitern wir die Grenzen unseres Selbstbewußtseins, machen wir neue, obschon gänzlich sub- jektive Erlebnisse.1137 Letztendlich erweist sich in bezug auf Ascher wohl die Aussage Markovs als gültig, der meinte: Er mag verehren und bewundern, nüchtern abwägen, um ein Urteil zu berichtigen, ablehnen und verdammen: Stets legt sich die Persönlichkeit des Untersuchenden in all ihrer ge- sellschaftlichen Bedingtheit und Standortgebundenheit un- ausweichlich in die nachgebildete Vita ein. Wenn es der Kunst und Macht seiner Feder tatsächlich gelingt, einen Ver- blichenen dem Schattenreich zu entreißen, stellt sich heraus, daß der Auferstandene dennoch ein (etwas) anderer, eben s e i n Gesch...

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