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«Die Toten schweigen nicht»

Brecht-Aufsätze

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Jost Hermand

Trotz mancher Diffamierungskampagnen, bei denen es vor allem um seine marxistischen Anschauungen ging, hat Brecht – im Gegensatz zu einer Reihe anderer linker Autoren – seinen Rang als einer der Klassiker der Weltliteratur des 20. Jahrhunderts behaupten können. Besonders angesichts der ökonomischen Krisen der letzten Jahre sind viele seiner Themenstellungen wieder höchst aktuell geworden. Eine verstärkte Auseinandersetzung mit seinen Werken ist daher nicht nur unter literaturhistorischer, sondern auch unter gesellschaftspolitischer Perspektive so relevant wie eh und je. Dabei sollte auf keine der von ihm aufgegriffenen Fragestellungen – ob nun seine Einstellung zu Krieg und Frieden, zur bürgerlichen Klasse, zum Problem der Utopie, zum Nazifaschismus, zu einer neuen Musik, zur trostlosen Eventkultur und zur Verneinung des Tragischen – verzichtet werden. Dem versucht auch dieses Buch nachzukommen.

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Bertolt Brecht und Kurt Weill: Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny (1930). Das trostlose Leben in der „Spaßgesellschaft“ 41

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41 Bertolt Brecht und Kurt Weill: Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny (1930) Das trostlose Leben in der „Spaßgesellschaft“ „Nämlich dieses schöne Mahagonny Hat alles, solange ihr Geld habt. Dann gibt es Alles, Weil alles käuflich ist, Und weil es nichts gibt, Was man nicht kaufen kann“ (Bertolt Brecht). I Während Alban Bergs Wozzeck-Oper (1925) innerhalb des Musiklebens der Weimarer Republik noch wie ein schönbergisierendes Relikt der betont „elitären“ Kunstbestrebungen der Epoche vor 1914 und der Zeit des Ersten Weltkriegs wirkt, lassen sich die kurz darauf entstandenen Zeitopern der späten zwanziger Jahre nur im Hinblick auf die sich immer stärker anbahnende Wende ins „Demokratisierende“ verstehen. Und zwar liegen dem folgende politische und soziokulturelle Wandlungen zugrunde. Auf den hochgestochenen Stellver- tretungsanspruch großer Teile der wilhelminischen Meinungsträgerschichten, welche die ersten Augusttage des Jahres 1914 mit geradezu kulturmis- sionarischer Begeisterung als den Aufbruch zu einer neuen deutschen Iden- titätsstiftung erlebt hatten, folgte nämlich – mehrheitsgeschichtlich gesehen – schon 1916/17 ein verbreitetes Abrücken von rein nationalistischen Postulaten. Auf politischer Ebene führte das im November 1918 zu jenem revolutionären Umbruch, von dem sich eine stattliche Anzahl jüngerer Künstler nicht nur einen endgültigen Verzicht auf alle nationalistischen Überheblichkeitsgefühle, sondern zugleich eine durchgreifende Veränderung der Gesamtgesellschaft erhofften. Um dabei ein Abrutschen ins „Bolschewistische“ zu verhindern, ließ die mit Unterstützung der Deutschen Demokratischen Partei zur Macht gekommene SPD alle linksradikalen Putschversuche, wie den Berliner Spartakusaufstand und die M...

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