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«Die Toten schweigen nicht»

Brecht-Aufsätze

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Jost Hermand

Trotz mancher Diffamierungskampagnen, bei denen es vor allem um seine marxistischen Anschauungen ging, hat Brecht – im Gegensatz zu einer Reihe anderer linker Autoren – seinen Rang als einer der Klassiker der Weltliteratur des 20. Jahrhunderts behaupten können. Besonders angesichts der ökonomischen Krisen der letzten Jahre sind viele seiner Themenstellungen wieder höchst aktuell geworden. Eine verstärkte Auseinandersetzung mit seinen Werken ist daher nicht nur unter literaturhistorischer, sondern auch unter gesellschaftspolitischer Perspektive so relevant wie eh und je. Dabei sollte auf keine der von ihm aufgegriffenen Fragestellungen – ob nun seine Einstellung zu Krieg und Frieden, zur bürgerlichen Klasse, zum Problem der Utopie, zum Nazifaschismus, zu einer neuen Musik, zur trostlosen Eventkultur und zur Verneinung des Tragischen – verzichtet werden. Dem versucht auch dieses Buch nachzukommen.

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Die ungleichen Zwillinge Brecht und Eisler 125

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125 Die ungleichen Zwillinge Brecht und Eisler I Es gibt im 20. Jahrhundert wohl kaum eine engere und sich zugleich über mehrere Jahrzehnte hinziehende Zusammenarbeit zwischen einem Schriftsteller und einem Komponisten wie die von Bertolt Brecht und Hanns Eisler. Sie lernten sich im Jahr 1928 anläßlich einer Inszenierung von Lion Feuchtwangers Stück Kalkutta, 4. Mai, zu dem Brecht die Liedtexte und Eisler die Bühnen- musik beisteuerte, erstmals näher kennen, sympathisierten beide im Abwehr- kampf gegen den Nazifaschismus mit der damaligen KPD, faßten sofort gemeinsame Lied- und Theaterprojekte ins Auge, wurden 1933 aus Deutschland vertrieben, hielten – trotz erschwerter Arbeitsbedingungen – auch im Exil an ihren marxistischen Grundüberzeugungen fest und begaben sich nach dem Zusammenbruch des Dritten Reichs in die Sowjetische Besatzungszone, aus der 1949 die DDR wurde. In all dieser Zeit – genauer von 1929 bis zu Brechts Tod im Jahr 1956 – waren sie fast immer im Kontakt miteinander. Ob im Berlin der Weimarer Republik, am dänischen Skovsbostrand, in London, in New York, in Los Angeles und schließlich in Ostberlin: ständig suchte der Eine die Nähe des Anderen, um mit ihm über die neuesten politischen Entwicklungen zu disku- tieren und zugleich Werke zu entwerfen, mit denen man den nazifaschistischen oder monopolkapitalistischen Gegnern des sozialen Fortschritts am wirkungs- vollsten entgegentreten könne. Und aufgrund ihrer marxistischen Gesinnung kamen sie dabei fast immer zu den gleichen Schlüssen. Die von ihnen gemein- sam projektierten Werke – von der Maßnahme (1930), der Mutter (1932) und Kuhle...

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