Show Less

… making the mirror visible …

Deutsche Übersetzungen englischer Lyrik (W.H. Auden)- Versuch einer Verwissenschaftlichung der Übersetzungskritik

Series:

Miriam Acartürk-Höß

Übersetzte Lyrik zu untersuchen bedeutet, neben der Bewältigung eines Dschungels an Definitionen von Übersetzung, hochkomplexe Arbeit ohne spezialisiertes Werkzeug. Ohne systematisierenden Rahmen ist die Gefahr blinder Flecken in der Übersetzungskritik groß, das Ergebnis nicht immer wissenschaftlich fundiert und für den Leser häufig wenig transparent. Diese Arbeit trägt zur Systematisierung der Übersetzungskritik bei, ohne deren hermeneutische Natur auszublenden: Sie bietet Orientierung in Definitionsfragen und erarbeitet spezifisches Handwerkszeug für umfassende, nachvollziehbare Übersetzungsanalysen und -bewertungen. Der Principles&Parameter-Approach der Generativen Grammatik dient dabei als fruchtbare Metapher für ein Rahmenmodell, das neben relevanten linguistischen auch historische, kulturelle und literaturwissenschaftliche Kriterien für gründliche Übersetzungskritik sowie das produktive shift-Konzept enthält. Zahlreiche Beispiele illustrieren das Modell, das eine Grundlage für weitere Detailforschung liefern kann. Es findet ausführliche Anwendung in der Untersuchung mehrerer Übersetzungen des Gedichtes «If I Could Tell You» von W.H. Auden, dessen komplexe Lyrik häufig ins Deutsche übersetzt, bislang aber wenig untersucht wurde. Auch die Praxis des Literaturübersetzens bleibt nicht außen vor: Ausführliche Interviews mit den renommierten Literaturübersetzern Hanno Helbling (verst. 2005) und Christa Schuenke liefern wichtige Impulse für die systematisierenden Überlegungen. Sie erscheinen hier, wie zwei durch diese Arbeit entstandene Auden-Übersetzungen, erstmalig.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

2 Kritik: Subjektivität und Wissenschaftlichkeit 69

Extract

2. Kritik: Subjektivität und Wissenschaftlichkeit 2.1. Akademische Übersetzungskritik als wissenschaftlich reflektierter Leseakt einer Textbeziehung Criticism covers a huge variety of discourses. David Lodge1 Um eine Übersetzung als Kunstwerk, d.h. unter ästhetischer Maßgabe, betrachten zu können, muss die Übersetzungskritik literaturwissenschaftlich ausgerichtet sein. Eine li- teraturwissenschaftlich orientierte Übersetzungskritik gehört als eine spezielle, von der Literaturtheorie allerdings gar zu oft vernachlässigte2 Form zum Bereich der Literatur- kritik. Diese selbst ist von unterschiedlichen Perspektiven auf ihren Gegenstand und damit auch von einer Vielzahl an Diskursen geprägt. David Lodge differenziert in einem Essay3 hin- sichtlich der Beziehung zwischen dem Primärtext und dem Sekundärtext, den die Litera- turkritik darstellt, verschiedene Arten dieser Beziehung.4 Deutlich wird an dieser Stelle, dass die Übersetzungskritik wirklich einen sehr speziellen Fall der Literaturkritik dar- stellt. Sie kommentiert nicht ausschließlich einen Primärtext, sondern hat sowohl diesen 1Lodge 2003, S. 92. 2“Obwohl längst bekannt ist, dass die literarische Übersetzung der Literatur angehört, nimmt sich die Literaturwissenschaft ihrer nur in der Ausnahme an; meist wird sie als interessante Randerscheinung mit einem Nebensatz abgetan.” (Kloepfer 1967, S. 8. Viel geändert hat sich seither nicht.) 3Lodge 2003, S. 92-113. 4Im Detail sieht er folgende Möglichkeiten: Sie lässt sich entweder charakterisieren als komplemen- tär, d.h. als ihren Gegenstand ergänzend, als ihm entgegengesetzt, als spezielle Art von kreativem Literaturschaffen oder aber als eines seiner Teilgebiete. 70 2. Kritik: Subjektivität und Wissenschaftlichkeit im Blick als auch die Übersetzung, die ja...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.