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Für eine mannigfaltige mögliche Welt

Kunst und Politik bei Ernst Bloch und Gianni Vattimo

Silvia Mazzini

Kritische Theorie und Postmoderne treffen sich in einem hermeneutisch geführten Dialog zwischen Ernst Bloch und Gianni Vattimo. Der deutsche Philosoph des «Prinzips Hoffnung» und der italienische Begründer des «schwachen Denkens» haben ausgehend von der 11. Feuerbachthese ihre Philosophien so gestaltet, dass sie «die Welt» nicht nur neu «interpretieren», sondern auch «verändern» können. Im Vergleich ihrer ästhetischen und politischen Ideen kommt eine utopische aber realisierbare Gesellschaft zum Vorschein: eine Polyphonie heterogener Stimmen in der gegenwärtigen, globalisierten Welt.

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I. ERNST BLOCH. DIE KUNST DES MÖGLICHEN 27

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27 I. ERNST BLOCH. DIE KUNST DES MÖGLICHEN 1. Die Möglichkeit der Zeit „Es kommt darauf an, das Hoffen zu lernen.“36 Der Anfang ist dunkel. Dunkler als das Ende. Um dieses scheinbare Paradox herum konzentriert sich das umfangreiche Werk von Ernst Bloch. Ich sage Para- dox, denn man würde normalerweise denken, dass das, was sich am Anfang be- findet, doch schon geschehen, schon da gewesen, also schon passiert ist. Auch wenn es unter dem Bodensatz von vergangenen Jahrhunderten begraben ist, ist es schon da. In Blochs Augen handelt es sich jedoch nur um ein scheinbares Paradox.37 Für ihn ist der Anfang (die Quelle) Lichtjahre von sich selbst entfernt, denn die- ses Etwas, das angefangen hat, bewegt sich noch, entwickelt und verändert sich. Man sollte also nicht behaupten, den Anfang zu kennen, als das, was er war – zumindest kann man nicht behaupten, ihn vollständig zu kennen. Denn er verän- dert sich ständig, und so bleibt er, sozusagen, nur halb präsent. In diesem Sinn sieht Bloch also den Anfang als ein Noch-Nicht, statt als ein Schon. Der Anfang ist daher noch nicht. Der Anfang hat etwas von sich selbst in sich. In allem übri- gen stellt er einen Mangel dar. In der Gegenwart fehlt (da nicht sicher) der „Sieg des Endes“. Sobald das Ende erreicht ist, wird man dort (endlich) den Anfang sehen – und zwar nicht mehr als Mangel, sondern als Fülle. Als ein Sich- Besitzen, und als ein Bei-Sich-Sein.38 In...

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