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Für eine mannigfaltige mögliche Welt

Kunst und Politik bei Ernst Bloch und Gianni Vattimo

Silvia Mazzini

Kritische Theorie und Postmoderne treffen sich in einem hermeneutisch geführten Dialog zwischen Ernst Bloch und Gianni Vattimo. Der deutsche Philosoph des «Prinzips Hoffnung» und der italienische Begründer des «schwachen Denkens» haben ausgehend von der 11. Feuerbachthese ihre Philosophien so gestaltet, dass sie «die Welt» nicht nur neu «interpretieren», sondern auch «verändern» können. Im Vergleich ihrer ästhetischen und politischen Ideen kommt eine utopische aber realisierbare Gesellschaft zum Vorschein: eine Polyphonie heterogener Stimmen in der gegenwärtigen, globalisierten Welt.

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II. GIANNI VATTIMO. DIE WELT(EN) VERÄNDERN 77

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77 II. GIANNI VATTIMO. DIE WELT(EN) VERÄNDERN Der Begriff «Welt» soll als roter Faden für meine Arbeit dienen, um so Vat- timos Ideen über Kunst und Politik genauer fokussieren zu können. Aber warum genau Welt? Und was soll hier unter «Welt» verstanden werden? Vattimo be- trachtet das Konzept «Welt» vor allem unter einem heideggerianischen Ge- sichtspunkt. Was aber besonders fruchtbar für meine Analyse ist, kommt aus ei- ner nietzschianischen Überlegung in Menschlich allzumenschlich: „[…] Das, was wir jetzt die Welt nennen, ist das Resultat einer Menge von Irrthümern und Phantasien, welche in der gesammten Entwicklung der organi- schen Wesen allmählich entstanden, in einander verwachsen und uns jetzt als aufgesammelter Schatz der ganzen Vergangenheit vererbt werden – als Schatz: denn der Werth unseres Menschenthums ruht darauf.“303 In dieser Textpassage wird die Welt als Kultur gesehen. Nietzsche behauptet hier (halbironisch), dass die Bezeichnung Kultur, die oft als hochtrabend einge- schätzt werden kann, eigentlich ein Irrtum ist. Damit deutet er an, dass die Kul- tur keinen absoluten oder gesetzesgetreuen, sondern einen „willkürlichen“ Cha- rakter hat, denn sie entsteht aus historischen Prozessen. Im Laufe der Geschichte werden also die Träume, Vorstellungen, Gedanken, Werke und Taten der Men- schen zusammengetragen. Das Resultat dieses Zusammentragens ist der ganze Reichtum einer Kultur, denn die Vergangenheit (also die Geschichte) einer Kul- tur ist ein integraler Teil ihrer Identität. So ist die Welt, wie sie Nietzsche ver- steht. Vattimo übernimmt Nietzsches Denken für diese Betrachtungen. Auch für...

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