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Für eine mannigfaltige mögliche Welt

Kunst und Politik bei Ernst Bloch und Gianni Vattimo

Silvia Mazzini

Kritische Theorie und Postmoderne treffen sich in einem hermeneutisch geführten Dialog zwischen Ernst Bloch und Gianni Vattimo. Der deutsche Philosoph des «Prinzips Hoffnung» und der italienische Begründer des «schwachen Denkens» haben ausgehend von der 11. Feuerbachthese ihre Philosophien so gestaltet, dass sie «die Welt» nicht nur neu «interpretieren», sondern auch «verändern» können. Im Vergleich ihrer ästhetischen und politischen Ideen kommt eine utopische aber realisierbare Gesellschaft zum Vorschein: eine Polyphonie heterogener Stimmen in der gegenwärtigen, globalisierten Welt.

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III. MÖGLICHKEITEN NEUER WELTEN 159

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159 III. MÖGLICHKEITEN NEUER WELTEN 1. Unsere Welt 1.1. Die Wendezeit „Wendezeiten sind schwül, es scheint eine Donnerwolke in ihnen eingesperrt.“631 Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Das, was er baut, ist historisch und willkürlich, aber es ruht ständig, bis zu dem Zeitpunkt, an dem es den Anschein gewinnt, ein neuer Grundstein zu werden. Dennoch fühlt der gegenwärtige Mensch sich vor allem als Fremder zwischen seinen antiken Steinen – als ein Fremder zwischen den Mauern seiner eigenen Stadt. Er erkennt sich nicht mehr in seiner Kultur. Die Gebäude sind ihm zu eng und er findet keinen soliden Bo- den, auf den er sich stützen kann. Aber was bleibt dann zu tun? Soll der gegenwärtige Mensch sich komplett von den Strukturen der Vergangenheit befreien und eine neue Kultur ex nihilo bauen? Doch bevor er tabula rasa macht, lohnt es sich vielleicht zu fragen, ob noch etwas bewahrt werden kann. Und es lohnt sich, über eine scheinbar banale Tatsache nachzudenken: Wenn die Sicherheiten der Vergangenheit (dazu kön- nen die Gebäude, ein religiöser Glaube, eine Sprache oder eine Kultur im All- gemeinen zählen) dem Menschen zu eng sind, bedeutet dies dann, dass er sie in toto nicht braucht? Nein. Es bedeutet nur, dass er andere Sicherheiten suchen muss. Oder aber: Vielleicht bedeutet es nur, dass er die alten Sicherheiten „re- parieren“ muss. „Exodus liegt in der Luft, ökonomischer, sozialer, geschichtsphilosophischer Exodus; dieser ist in allen Werken unserer Zeit, sofern sie etwas...

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