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Archäologie und völkisches Gedankengut: Zum Umgang mit dem eigenen Erbe

Ein Beitrag zur Selbstreflexiven Archäologie- Unter Mitarbeit von Jutta Landelfeld und Elisabeth Mahler

Edited By Ulf F. Ickerodt and Fred Mahler

Die Verstrickungen der Archäologie in das völkisch-nationale Gedankengut gehören zu den wichtigen Themen des Faches in seiner Auseinandersetzung mit dem eigenen Erbe. Dies gilt umso mehr, als über die archäologischen Inhalte eine Ideologie vermittelt wurde, die in letzter Konsequenz mit zu den Verbrechen des «Dritten Reiches» führte. Mit diesem Werk wird erstmals der Versuch unternommen, auch das Weiterleben der im Dritten Reich entwickelten und durch archäologische Bilder vermittelten Inhalte bis in die Gegenwart hinein zu verfolgen. Dieses hoch problematische Erbe, das offensichtlich in den unterschiedlichsten Bereichen ein unentdecktes Eigenleben führt, wird hier von Fachwissenschaftlern und Publizisten aus unterschiedlichen Blickwinkeln heraus beleuchtet und analysiert. Das inhaltliche Spektrum reicht von der Bearbeitung unterschiedlicher Alltagsmedien (Filme, Comics, Sachbücher, Internetseiten etc.) über die sogenannte Reenactment-Szene bis hin zu musealen Inszenierungen der Vergangenheit. Die Herausgeber interessierte vor allem die Frage der Instrumentalisierung von Vergangenheit als Bestandteil der Suche nach Identität und die sich daraus ergebenden langfristigen und aktuellen Folgen. Die Beiträge des Bandes zeigen, dass Archäologie keinesfalls eine Spielwiese für einige wenige Interessierte ist, sondern eine hohe gesellschaftliche Bedeutung besitzt. Sie läuft auch in der Gegenwart noch immer Gefahr, nur zu leicht als ideologisches Instrument benutzt zu werden.

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Immo Heske: „Welche Erlebniswerte können zur Wirkung gebracht werden?“ 17

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„Welche Erlebniswerte können zur Wirkung gebracht werden?“ – Archäologische Forschung im Land Braunschweig und ihre museale Präsentation von 1938 bis 1943 Immo Heske In den späten 20er und frühen 30er Jahren des 20. Jahrhunderts war die Ent- wicklung der archäologischen Forschung in Deutschland mehreren Umbrüchen unterworfen. Dieses lässt sich auch anhand der Museumslandschaft in Braun- schweig nachvollziehen. In Braunschweig gab es bis 1933 keine eigenständige archäologische Ausstellung, geschweige denn ein Museum, obwohl entspre- chende Überlegungen und Initiativen bis in das ausgehende 19. Jahrhundert zu- rückreichen. Das bis dahin geborgene Fundmaterial war über mehrere Museen verstreut, zu denen sowohl das Städtische Museum als auch das Herzog Anton Ulrich-Museum zählten. Die Funde wurden in den braunschweigischen Museen im Rahmen der landesgeschichtlichen Ausstellungen präsentiert (KRONE 1934: 135). Eine vergleichbare ambitionierte Ausstellung, wie sie zeitgleich im Lan- desmuseum Hannover durch Karl-Hermann Jacob-Friesen zusammengestellt wurde und die internationale Beachtung fand, existierte nicht. Die Ausstellung in Hannover wurde bereits Mitte der 1920er Jahre nach päd- agogischen Gesichtspunkten in hellen Farben und Räumen eingerichtet. Zu dem Konzept gehörte auch eine reduzierte Objektauswahl. In Braunschweig hinge- gen wurde deutlich später und auf Veranlassung des nationalsozialistischen Mi- nisterpräsiden Dietrich Klagges (1891-1971) durch den Archäologen Alfred TODE (1900-1996) ein Museumskonzept mit dem Anspruch entwickelt, ein „deutsches Vorgeschichtsmuseum aufzubauen, das unserer nationalsozialistischen Weltanschauung besser entspräche, als die meisten unserer bisherigen Vorge- schichtsmuseen“ (TODE 1943: 100). Obwohl das von TODE geplante Museum...

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