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Archäologie und völkisches Gedankengut: Zum Umgang mit dem eigenen Erbe

Ein Beitrag zur Selbstreflexiven Archäologie- Unter Mitarbeit von Jutta Landelfeld und Elisabeth Mahler

Ulf F. Ickerodt and Fred Mahler

Die Verstrickungen der Archäologie in das völkisch-nationale Gedankengut gehören zu den wichtigen Themen des Faches in seiner Auseinandersetzung mit dem eigenen Erbe. Dies gilt umso mehr, als über die archäologischen Inhalte eine Ideologie vermittelt wurde, die in letzter Konsequenz mit zu den Verbrechen des «Dritten Reiches» führte. Mit diesem Werk wird erstmals der Versuch unternommen, auch das Weiterleben der im Dritten Reich entwickelten und durch archäologische Bilder vermittelten Inhalte bis in die Gegenwart hinein zu verfolgen. Dieses hoch problematische Erbe, das offensichtlich in den unterschiedlichsten Bereichen ein unentdecktes Eigenleben führt, wird hier von Fachwissenschaftlern und Publizisten aus unterschiedlichen Blickwinkeln heraus beleuchtet und analysiert. Das inhaltliche Spektrum reicht von der Bearbeitung unterschiedlicher Alltagsmedien (Filme, Comics, Sachbücher, Internetseiten etc.) über die sogenannte Reenactment-Szene bis hin zu musealen Inszenierungen der Vergangenheit. Die Herausgeber interessierte vor allem die Frage der Instrumentalisierung von Vergangenheit als Bestandteil der Suche nach Identität und die sich daraus ergebenden langfristigen und aktuellen Folgen. Die Beiträge des Bandes zeigen, dass Archäologie keinesfalls eine Spielwiese für einige wenige Interessierte ist, sondern eine hohe gesellschaftliche Bedeutung besitzt. Sie läuft auch in der Gegenwart noch immer Gefahr, nur zu leicht als ideologisches Instrument benutzt zu werden.

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Fred Mahler: Hermetische Inszenierung 37

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Hermetische Inszenierung – Heimatbegriff und Identitätssuche am Beispiel des Uelzener Heimatmuseums Fred Mahler Hinsichtlich der Rezeption archäologischer Bilder und Motive erscheint erstaun- licherweise eine Institution bisher nur wenig erforscht, die sicher eine ganz be- sondere Bedeutung für die Vermittlung eines Heimatbegriffs hatte, nämlich das Heimatmuseum. Zwar sind in Zusammenhang mit diesen Örtlichkeiten nur sel- ten Bild- und Schriftquellen und noch viel weniger konzeptionelle Zeugnisse er- halten, doch als Orte der öffentlichen Ausstellung archäologischer Funde zur Vermittlung einer Beziehung zwischen Mensch, Zeit und Raum stellen sie ganz unübersehbar Inszenierungen im „mikrosozialen“ Kontext dar. Spätestens seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts dürften Heimatmuseen bzw. deren Vorläufer als „wissenschaftliche Laienbühnen“ im regional be- grenzten Umfeld zunehmend eine entscheidende Rolle für die Darstellung und die Rezeption von „Vergangenheit“, vor allem im bürgerlichen Milieu, über- nommen haben. Bis zu den massenmedialen Möglichkeiten unserer Gegenwart hin prägte das Museum als Institution entscheidend das Bild der Archäologie in der öffentlichen Wahrnehmung und es hat diese Rolle unter einigen veränderten Vorzeichen offensichtlich noch längst nicht ausgespielt. In jedem Falle aber dienten die materiellen Hinterlassenschaften urgeschichtlicher Vergangenheit als Objekte einer Identitätsstiftung, die sich nicht allein auf den übergreifenden nationalen Kontext bezog, sondern unterbewusst auch einer kleinräumigen Wahrnehmung im Sinne der „Heimat“ zugeordnet wurde. Darunter ist heute keinesfalls eine primär geographische Verortung zu verstehen, sondern eher eine bereits häufig erörterte psychische Zustandsbeschreibung, die von Faktoren wie gesellschaftlichen, ökonomischen und...

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