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Archäologie und völkisches Gedankengut: Zum Umgang mit dem eigenen Erbe

Ein Beitrag zur Selbstreflexiven Archäologie- Unter Mitarbeit von Jutta Landelfeld und Elisabeth Mahler

Ulf F. Ickerodt and Fred Mahler

Die Verstrickungen der Archäologie in das völkisch-nationale Gedankengut gehören zu den wichtigen Themen des Faches in seiner Auseinandersetzung mit dem eigenen Erbe. Dies gilt umso mehr, als über die archäologischen Inhalte eine Ideologie vermittelt wurde, die in letzter Konsequenz mit zu den Verbrechen des «Dritten Reiches» führte. Mit diesem Werk wird erstmals der Versuch unternommen, auch das Weiterleben der im Dritten Reich entwickelten und durch archäologische Bilder vermittelten Inhalte bis in die Gegenwart hinein zu verfolgen. Dieses hoch problematische Erbe, das offensichtlich in den unterschiedlichsten Bereichen ein unentdecktes Eigenleben führt, wird hier von Fachwissenschaftlern und Publizisten aus unterschiedlichen Blickwinkeln heraus beleuchtet und analysiert. Das inhaltliche Spektrum reicht von der Bearbeitung unterschiedlicher Alltagsmedien (Filme, Comics, Sachbücher, Internetseiten etc.) über die sogenannte Reenactment-Szene bis hin zu musealen Inszenierungen der Vergangenheit. Die Herausgeber interessierte vor allem die Frage der Instrumentalisierung von Vergangenheit als Bestandteil der Suche nach Identität und die sich daraus ergebenden langfristigen und aktuellen Folgen. Die Beiträge des Bandes zeigen, dass Archäologie keinesfalls eine Spielwiese für einige wenige Interessierte ist, sondern eine hohe gesellschaftliche Bedeutung besitzt. Sie läuft auch in der Gegenwart noch immer Gefahr, nur zu leicht als ideologisches Instrument benutzt zu werden.

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Markus Blaich: Rezeption der Grabungen in der Pfalz Werla 45

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Rezeption der Grabungen in der Pfalz Werla in Archäologie und Geschichtswissenschaft Markus C. Blaich Die Ausgrabungen in der Pfalz Werla von 1936 bis 1939 Der 926 erstmals urkundlich erwähnten Pfalz Werla, Gmde. Werlaburgdorf, kommt in der Landesgeschichte des heutigen Niedersachsens ein zentraler Platz zu. Werla bzw. ihre mit einem Erdwall befestigte Vorgängeranlage des 8./9. Jahrhunderts waren, wie eine neuere Betrachtung zeigt, in das Netz der sog. „Ungarnburgen“ eingebunden; in diesem Zusammenhang ist auch die Erster- wähnung zum Jahr 926 zu verstehen. Durch die seit 1873 betriebene Wiederherstellung der Pfalz in Goslar er- wachte auch das Interesse an der Pfalz Werla. Nach kleineren, zwischen 1875 und 1926 durchgeführten Sondagen wurden 1934 erstmals größere Flächen planmäßig untersucht (BECKER 1935a, 1935b; BRANDI 1935a.). Diese Arbeiten wurden 1936 unter der Leitung des Bauforschers H. STECKEWEH (1937) fortge- setzt, dem der Archäologe H. SCHROLLER zur Seite gestellt wurde. Im Winter 1936/37 kam es zu einem bisher nicht völlig geklärten Sinneswandel innerhalb der Werla-Kommission, der schließlich dazu führte, dass STECKEWEH letzt- endlich die Werla-Grabung aufgeben musste und SCHROLLER hingegen seine Funktion weiterhin ausüben und sogar ausbauen konnte (zum folgenden grund- sätzlich BLAICH & WEBER 2007). Die Untersuchungen auf dem Gelände der Pfalz Werla stießen in der Bevöl- kerung schon immer auf großes Interesse. Dies gilt in ganz besonderem Maße für die Arbeiten der Jahre von 1936 bis 1939. Als ein Grund können die für...

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