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Archäologie und völkisches Gedankengut: Zum Umgang mit dem eigenen Erbe

Ein Beitrag zur Selbstreflexiven Archäologie- Unter Mitarbeit von Jutta Landelfeld und Elisabeth Mahler

Ulf F. Ickerodt and Fred Mahler

Die Verstrickungen der Archäologie in das völkisch-nationale Gedankengut gehören zu den wichtigen Themen des Faches in seiner Auseinandersetzung mit dem eigenen Erbe. Dies gilt umso mehr, als über die archäologischen Inhalte eine Ideologie vermittelt wurde, die in letzter Konsequenz mit zu den Verbrechen des «Dritten Reiches» führte. Mit diesem Werk wird erstmals der Versuch unternommen, auch das Weiterleben der im Dritten Reich entwickelten und durch archäologische Bilder vermittelten Inhalte bis in die Gegenwart hinein zu verfolgen. Dieses hoch problematische Erbe, das offensichtlich in den unterschiedlichsten Bereichen ein unentdecktes Eigenleben führt, wird hier von Fachwissenschaftlern und Publizisten aus unterschiedlichen Blickwinkeln heraus beleuchtet und analysiert. Das inhaltliche Spektrum reicht von der Bearbeitung unterschiedlicher Alltagsmedien (Filme, Comics, Sachbücher, Internetseiten etc.) über die sogenannte Reenactment-Szene bis hin zu musealen Inszenierungen der Vergangenheit. Die Herausgeber interessierte vor allem die Frage der Instrumentalisierung von Vergangenheit als Bestandteil der Suche nach Identität und die sich daraus ergebenden langfristigen und aktuellen Folgen. Die Beiträge des Bandes zeigen, dass Archäologie keinesfalls eine Spielwiese für einige wenige Interessierte ist, sondern eine hohe gesellschaftliche Bedeutung besitzt. Sie läuft auch in der Gegenwart noch immer Gefahr, nur zu leicht als ideologisches Instrument benutzt zu werden.

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Mathias Wiegert: Heimatbewegung in Niedersachsen 63

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Heimatbewegung in Niedersachsen – Heimatschutz und völkische Bewegung bis 1945 Mathias Wiegert Die tiefe Verbundenheit mit der Heimat und Tradition, eine romantisierende Heimat- und Naturverehrung sowie eine ablehnende Haltung gegenüber der in- dustriellen Moderne und den technischen und sozialen Veränderungen seit dem späten 19. Jahrhundert sind die Motive für die Herausbildung einer sog. „Hei- matschutzbewegung“. MEYERS Lexikon definiert in seiner 8. Auflage 1938 den Begriff des Heimatschutzes als „Kulturbewegung, die die deutsche Heimat in ihrer natürlichen und geschichtlichen Eigenart schützen, bodenständige Bau-, Wohn- und Handwerkskultur, das Volkstum, die Natur in den einzelnen deutschen Landschaften pflegen will.“ (MEYERS 1938: 1019-1020) Diese Definition von 1938 folgt einem Verständnis von Heimatpflege wie es durch den 1904 auf Initiative von Ernst Rudorff gegründeten „Bund Heimat- schutz“ vertreten wurde. Dessen Tätigkeitsfelder waren bald identisch mit den Bereichen der sich später herausbildenden Denkmalpflege wie dem Schutz, der Pflege bzw. Erhaltung von Bau- und Bodendenkmalen sowie dem Landschafts- schutz. Daneben befasste sich der „Bund Heimatschutz“ auch mit der handwerk- lichen Volkskunst sowie den Sitten, Gebräuchen, Festen und Trachten. Im Jahr 1914 wurde dieser reichsweit agierende „Bund Heimatschutz“, der nach und nach auch regionale Heimatschutzorganisationen integrierte, in den „Deutschen Bund Heimatschutz“ umbenannt. Zusammen mit dem „Dürerbund“, der sich vornehmlich die ästhetische Erziehung des Volkes und die Pflege der Kultur zur Aufgabe gemacht hatte, nahm die gleichzeitig gegründete Heimatschutzbewe- gung eine überregionale Bildungsaufgabe für sich in Anspruch. Je stärker sich auf dem Lande...

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