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Archäologie und völkisches Gedankengut: Zum Umgang mit dem eigenen Erbe

Ein Beitrag zur Selbstreflexiven Archäologie- Unter Mitarbeit von Jutta Landelfeld und Elisabeth Mahler

Edited By Ulf F. Ickerodt and Fred Mahler

Die Verstrickungen der Archäologie in das völkisch-nationale Gedankengut gehören zu den wichtigen Themen des Faches in seiner Auseinandersetzung mit dem eigenen Erbe. Dies gilt umso mehr, als über die archäologischen Inhalte eine Ideologie vermittelt wurde, die in letzter Konsequenz mit zu den Verbrechen des «Dritten Reiches» führte. Mit diesem Werk wird erstmals der Versuch unternommen, auch das Weiterleben der im Dritten Reich entwickelten und durch archäologische Bilder vermittelten Inhalte bis in die Gegenwart hinein zu verfolgen. Dieses hoch problematische Erbe, das offensichtlich in den unterschiedlichsten Bereichen ein unentdecktes Eigenleben führt, wird hier von Fachwissenschaftlern und Publizisten aus unterschiedlichen Blickwinkeln heraus beleuchtet und analysiert. Das inhaltliche Spektrum reicht von der Bearbeitung unterschiedlicher Alltagsmedien (Filme, Comics, Sachbücher, Internetseiten etc.) über die sogenannte Reenactment-Szene bis hin zu musealen Inszenierungen der Vergangenheit. Die Herausgeber interessierte vor allem die Frage der Instrumentalisierung von Vergangenheit als Bestandteil der Suche nach Identität und die sich daraus ergebenden langfristigen und aktuellen Folgen. Die Beiträge des Bandes zeigen, dass Archäologie keinesfalls eine Spielwiese für einige wenige Interessierte ist, sondern eine hohe gesellschaftliche Bedeutung besitzt. Sie läuft auch in der Gegenwart noch immer Gefahr, nur zu leicht als ideologisches Instrument benutzt zu werden.

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Christian Fuhrmeister: Völkische Memorialarchitektur im Nationalsozialismus 115

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Völkische Memorialarchitektur im Nationalsozialismus. Hermann Willes „Germanische Gotteshäuser“ (1933) und das Hans-Mallon- Ehrenmal auf Rügen (1937) Christian Fuhrmeister „Völkische Memorialarchitektur“ bezeichnet Bauten und Denkmäler, die dem Gedenken und der Erinnerung an Personen oder Ereignisse aus einer völkischen Perspektive gewidmet sind. Die durchaus heterogene völkische Bewegung, die sich seit der Jahrhundertwende formierte, ist durch eine forcierte Rassenideolo- gie charakterisiert. Ihr Rückbezug auf ein idealisiertes Germanentum ging einher mit einer Betonung nordisch-neuheidnischer, „arteigener“ Religion. Zahlreiche (Krieger-) Denkmäler der 1920er Jahre können als Ausdruck dieser völkischen Überzeugungen verstanden werden. Sehr häufig wurden (Granit-)Findlinge beim Bau dieser Anlagen verwendet. Konzeptuell, formal und in materialikonografi- scher Hinsicht folgen diese Denkmäler gerade im norddeutschen Raum oft dem Vorbild jungsteinzeitlicher Großsteingräber1. Die Bezugnahme auf die im Volksmund ‚Hünengräber’ genannten Groß- steingräber ist somit kein Alleinstellungsmerkmal des Nationalsozialismus, son- dern fester Bestandteil der Memorialarchitektur spätestens seit Ende des Ersten Weltkriegs (s. a. ICKERODT in diesem Band). So ist das Dolmenmotiv auch bei betont kubischen, rechtwinkligen Bauten wie dem Gefallenendenkmal der Stadt München von 1924 (TIETZ 1993/1994) oder dem Eingangsbau des Soldaten- friedhofs Langemark ein ebenso markanter wie zeittypischer Hinweis auf eine sagenhafte, „germanische“ Vorzeit. Völlig unverkennbar ist diese Behauptung einer Tradition beispielsweise beim Ehrenmal des 9. Ulanen-Regiments in Dem- min (1924), beim Löns-Denkmal im Tietlinger Wacholderhain (1929) (Abb. 26), beim „Sachsenhain“ bei Verden/Aller oder, um ein Beispiel aus dem engeren Bereich der Sepulkralkultur zu...

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