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Archäologie und völkisches Gedankengut: Zum Umgang mit dem eigenen Erbe

Ein Beitrag zur Selbstreflexiven Archäologie- Unter Mitarbeit von Jutta Landelfeld und Elisabeth Mahler

Edited By Ulf F. Ickerodt and Fred Mahler

Die Verstrickungen der Archäologie in das völkisch-nationale Gedankengut gehören zu den wichtigen Themen des Faches in seiner Auseinandersetzung mit dem eigenen Erbe. Dies gilt umso mehr, als über die archäologischen Inhalte eine Ideologie vermittelt wurde, die in letzter Konsequenz mit zu den Verbrechen des «Dritten Reiches» führte. Mit diesem Werk wird erstmals der Versuch unternommen, auch das Weiterleben der im Dritten Reich entwickelten und durch archäologische Bilder vermittelten Inhalte bis in die Gegenwart hinein zu verfolgen. Dieses hoch problematische Erbe, das offensichtlich in den unterschiedlichsten Bereichen ein unentdecktes Eigenleben führt, wird hier von Fachwissenschaftlern und Publizisten aus unterschiedlichen Blickwinkeln heraus beleuchtet und analysiert. Das inhaltliche Spektrum reicht von der Bearbeitung unterschiedlicher Alltagsmedien (Filme, Comics, Sachbücher, Internetseiten etc.) über die sogenannte Reenactment-Szene bis hin zu musealen Inszenierungen der Vergangenheit. Die Herausgeber interessierte vor allem die Frage der Instrumentalisierung von Vergangenheit als Bestandteil der Suche nach Identität und die sich daraus ergebenden langfristigen und aktuellen Folgen. Die Beiträge des Bandes zeigen, dass Archäologie keinesfalls eine Spielwiese für einige wenige Interessierte ist, sondern eine hohe gesellschaftliche Bedeutung besitzt. Sie läuft auch in der Gegenwart noch immer Gefahr, nur zu leicht als ideologisches Instrument benutzt zu werden.

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Thomas Claus & Thomas Hauer: Der Goldkessel aus dem Chiemsee – Ein archäologischer Kriminalfall 173

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Der Goldkessel aus dem Chiemsee – Ein archäologischer Kriminalfall Thomas Claus & Thomas Hauer Am 4.6.2009 überraschte das Magazin P.M. History Spezial seine Leser mit der Behauptung „Das Geheimnis um den Nazi-Gral“ entdeckt zu haben. Gemeint war einer der größten Schatzfunde des 20. Jahrhunderts – der sog. Goldkessel aus dem Chiemsee. Ein nach oberflächlicher Betrachtung keltisch aussehender Kessel aus rund 11 kg 18 karätigem Gold, der auf den ersten Blick große Ähnlichkeit mit dem Silberkessel von Gundestrup aufweist und angeblich 2001 von einem Taucher aus dem Chiemsee geborgen worden sein soll. Der Autor des Artikels spekulierte über einen Zusammenhang zwischen dem Schatzfund aus Bayern und Aktivitäten des im Dienste Heinrich Himmlers ste- henden Katharerforschers Otto RAHN (1904-1939). Dessen erfolglose Suche nach dem „Heiligen Gral“ sollte letztendlich zur Herstellung einer „gefälschten“ Reliquie geführt haben, die nach Kriegsende für die SS-Schule Haus Wewels- burg in Westfalen bestimmt war. Eine interessante Behauptung, denn der Kessel stammt nach Angaben des Bayerischen Staatsministeriums für Finanzen (StMF) aus den zwanziger Jahren und wird nicht mit Personen oder Organisationen des Nationalso- zialismus in Verbindung gebracht. Diese Beurteilung stützte sich auf ein bis heute unveröffentlichtes Gutachten des Münchner Instituts für Zeitgeschich- te (IfZ). Umso bedauerlicher ist es, dass sich der P.M.-Artikel bei genauerem Lesen als schlecht recherchierte Story erweist, bei der die Autoren weder profunde his- torische Kenntnis zeigen, noch ihre Beweisführung mit Quellenangaben nach- vollziehbar gestalten. Keine guten Voraussetzungen für eine dringend erforderli- che...

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