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Geschichte des Deutschunterrichts von 1945 bis 1989 (Teil 2)

Deutschunterricht im Widerstreit der Systeme

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Edited By Thomas Roberg, Sebastian Susteck and Harro Müller-Michaels

Dieser Sammelband fasst zentrale Ergebnisse des von der DFG geförderten Projekts zur Geschichte des Deutschunterrichts in den beiden deutschen Staaten von 1945 bis 1989 zusammen. Einerseits geht es um Theorien und Konzepte des Unterrichts, die nach 1945 zunächst an Strömungen aus der Zeit der Weimarer Republik anschließen und sich im Begriff der konservativen Modernisierung bündeln lassen. Andererseits werden in Detailuntersuchungen unterschiedliche Aspekte des Unterrichts behandelt, die Differenzen und Gemeinsamkeiten in der Praxis des Faches Deutsch in den Ländern und Staaten Deutschlands erkennen lassen: Einfluss der Lehrpläne, Aufsatzunterricht mit Themenwahl sowie Beurteilungskriterien, Kanon der Literatur, Unterrichtsmethoden und Lesebücher. Die Lehrplangenerationen und die Analyse von Schüleraufsätzen bieten eine geeignete Grundlage für eine historische Gliederung der Jahre zwischen 1945 und 1989. In den Befunden der Untersuchungen wird die Annahme bestätigt, dass unterhalb der Staatsformen von Parlamentarischer Demokratie und Diktatur Erziehung und Unterricht vor gleiche Aufgaben gestellt waren und nach vergleichbaren Lösungen gesucht haben. Im Kern der sprachlichen und literarischen Bildung sowie bei der Methodenwahl weisen die Curricula daher durchaus Konvergenzen auf.

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Harro Müller-Michaels Anfänge und Entwicklung des Literaturunterrichts in den beiden deutschen Staaten 27

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Harro Müller-Michaels Anfänge und Entwicklung des Literaturunterrichts in den beiden deutschen Staaten Programme der Anfänge Die Entwicklung des Deutschunterrichts in den beiden deutschen Staaten ver- läuft selten in klar nachzuzeichnenden Linien, sondern steckt voller Widersprü- che. Diese Widersprüche erwachsen einerseits aus den beiden verschiedenen Gesellschaftssystemen, die dem Deutschunterricht unterschiedliche Funktionen zwischen Anpassung und Selbstbestimmung zuweisen. Sie erwachsen anderer- seits aus dem Eigengewicht der Gegenstände Sprache und Literatur gegenüber enger politischer Indienstnahme und schließlich aus dem ständigen Widerstreit von Theorie und Praxis. Auch wenn es darum gehen muss, diese Widersprüche sichtbar zu machen, möchte ich im Folgenden zunächst nach Gemeinsamkeiten in der Entwicklung der gut vierzig Jahre zwischen 1945 und 1989 fragen, wobei diese Gemeinsamkeiten sogar darin bestehen mögen, dass im Deutschunterricht in beiden politischen Systemen dieselben Widersprüche aufbrechen. Die Überzeugung, dass literarische Erziehung einen entscheidenden Beitrag zur Bildung des ganzen Menschen leisten kann, verbindet, bei allen Differenzen, 1945 das Denken in den vier Besatzungszonen. Re-education, Re-orientation, educational reconstruction oder mission civilisatrice: Mit diesen Begriffen be- zeichneten die Alliierten ihre Bemühungen, den Ungeist des Nationalsozialis- mus aus den Köpfen und Herzen der Deutschen zu vertreiben und das ‚innere‘ Fundament für eine umfassende Demokratisierung der Gesellschaft zu schaffen. Es handelt sich hierbei um ein umfassendes kultur- und bildungspolitisches The- rapie-Experiment, das die im Potsdamer Abkommen vom 2. August 1945 gefor- derte Eliminierung der NS-Ideologie garantieren sollte: „Das Erziehungswesen in Deutschland muß so überwacht werden,...

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