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Elisabeth von Thüringen und die neue Frömmigkeit in Europa

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Edited By C. Bertelsmeier-Kierst

Anläßlich des 800. Geburtstages der heiligen Elisabeth von Thüringen wurde 2007 in Marburg ein wissenschaftliches Symposion durchgeführt, das Elisabeths karitatives Wirken in den Kontext der großen religiösen Bewegungen jener Zeit stellte. Die Subjektivierung der Frömmigkeit, die von den großen Reformorden ausging, erfasste um 1200 nachhaltig auch die Laiengesellschaft. Vor allem Frauen drängten nach Teilhabe am religiösen Leben und strebten eine möglichst radikale Nachfolge Christi an. Ergriffen vom neuen Ideal der Armut und Askese waren sie bereit, ihre bisherigen sozialen Bindungen aufzugeben und ihre Vorstellung eines christlichen Lebens in karitativer Fürsorge oder – in Abkehr von der Welt – in strenger Klausur und mystischer Selbstsorge zu verwirklichen. Diese neue Spiritualität aus der Sicht verschiedener Fächer – der Theologie, der Geschichts- und Literaturwissenschaften, der Kunstgeschichte wie der Musikwissenschaft – sichtbar zu machen, war Ziel des Symposions, dessen Beiträge in diesem Band erscheinen.

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KLAUS NIEHR Die Geschwindigkeit und Langsamkeit der Bilder. Von den Möglichkeiten, Körper der Heiligen zu rekonstruieren 91

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KLAUS NIEHR Die Geschwindigkeit und Langsamkeit der Bilder Von den Möglichkeiten, Körper der Heiligen zu rekonstruieren „Papa, explique moi donc ä quoi sert I'histoire?" Nicht nur Historiker jedweder Couleur sollten sich die Frage des kleinen Jungen täglich aufs Neue stellen. Auch Wissenschaftler anderer Disziplinen könnten davon profitie- ren, wenn sie über Erscheinungsformen, Sinn und Zweck von Geschichte aber auch über deren Erforschung nachdächten. Diese Geschichte begegnet schließlich auf Schritt und Tritt. Selbst dort, wo wir sie nicht vermuten, ist sie präsent und prägt unser Leben. Ihr zu entgehen, unmöglich. Jedenfalls sind die Versuche, dies zu tun, bislang allesamt kläglich gescheitert. Denn die Geschichte meldete sich immer wieder zu Wort, setzte unter Druck, beanspruchte Denken und Handeln, musste infolgedessen verarbeitet werden durch Erzählung und Definition. Und das ist ja das Paradoxe an der Sache. Geschichte, so konkret sie auch wirken mag, ist aus sich selbst heraus kaum greifbar. Sie gewinnt Gestalt und Struktur durch den Umgang mit ihr, und nur über materielle Relikte oder den Prozess der Vermittlung steht sie als Realität vor uns. Das aber heißt, wir erleben sie unterschied- lich stark gebrochen, immer aus einer bestimmten Perspektive gesehen, als Resultat einer Wirkung, einer Absicht oder eines Interesses und damit stets modelliert bzw. geformt. Womöglich ist es bekannt: Die Frage des kleinen Jungen nach dem Sinn von Geschichte und nach den Gründen, die dafür sprechen könnten, sich mit ihr zu beschäftigen, hat vor...

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