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Elisabeth von Thüringen und die neue Frömmigkeit in Europa

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Edited By C. Bertelsmeier-Kierst

Anläßlich des 800. Geburtstages der heiligen Elisabeth von Thüringen wurde 2007 in Marburg ein wissenschaftliches Symposion durchgeführt, das Elisabeths karitatives Wirken in den Kontext der großen religiösen Bewegungen jener Zeit stellte. Die Subjektivierung der Frömmigkeit, die von den großen Reformorden ausging, erfasste um 1200 nachhaltig auch die Laiengesellschaft. Vor allem Frauen drängten nach Teilhabe am religiösen Leben und strebten eine möglichst radikale Nachfolge Christi an. Ergriffen vom neuen Ideal der Armut und Askese waren sie bereit, ihre bisherigen sozialen Bindungen aufzugeben und ihre Vorstellung eines christlichen Lebens in karitativer Fürsorge oder – in Abkehr von der Welt – in strenger Klausur und mystischer Selbstsorge zu verwirklichen. Diese neue Spiritualität aus der Sicht verschiedener Fächer – der Theologie, der Geschichts- und Literaturwissenschaften, der Kunstgeschichte wie der Musikwissenschaft – sichtbar zu machen, war Ziel des Symposions, dessen Beiträge in diesem Band erscheinen.

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STEFAN MORENT Letare Germania. Zur musikalisch-poetischen Elisabeth-Verehrung im Mittelalter 105

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STEFAN MORENT Letare Germania Zur musikalisch-poetischen Elisabeth-Verehrung im Mittelalter I. Zu den Zeugnissen, die von der besonderen Verehrung der Heiligen im Mittel- alter künden, zählen neben kostbar verzierten Reliquiaren und Schreinen, neben Bildwerken und Plastiken, auch die Heiligenoffizien, jene dichterisch- musikalischen Neugestaltungen des Stundengebetszyklus, die den Festtag der Heiligen besonders akzentuieren. Durch die Neufassung der variablen Teile der Horen, also der Antiphonen, Responsorien, Hymnen, Versikel und Collecten, die zumeist aus der Vita bzw. Passio der Heiligen schöpfen, ent- steht durch die Begegnung mit den feststehenden, auf alten Traditionen fußenden Bestandteilen des Psalters und anderer biblischer Texte sowie der damit verbundenen musikalischen Vortragsmodelle eine Spannung, die die Offizien in ihrer künstlerischen Aussage und theologischen Verdichtung als poetisch-musikalische ,Reliquiare` durchaus anderen Gegenständen der Ver- ehrung an die Seite stellen lässt. Zudem besitzen sie die Besonderheit, dass durch die prozesshafte Struktur des Stundengebets diese Reliquiare erst in actu, nämlich durch den Vollzug der Liturgie, gleichsam erschaffen werden, und sich dadurch die Aktualisierung der Heiligen im Hier und Jetzt, als beson- ders intensiver Ausdruck von Memorialkultur, als Sicherung und Vergewisse- rung der spezifischen Qualitäten der Heiligkeit, ereignet.' Ausgehend vom 1 Hierzu dient auch das häufig anzutreffende hodie, das in den Offizien, aber vor allem auch in vielen Tropen zur Aktualisierung des Heilsgeschehens beiträgt. Im hier zu besprechenden Elisabeth-Offizium Letare Germania findet es sich etwa zu Beginn der Benedictus-Antiphon: Cornu salutis hodie. Das wohl bekannteste Beispiel bil- det der Weihnachtstropus Hodie cantandus est des...

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