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Elisabeth von Thüringen und die neue Frömmigkeit in Europa

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Edited By C. Bertelsmeier-Kierst

Anläßlich des 800. Geburtstages der heiligen Elisabeth von Thüringen wurde 2007 in Marburg ein wissenschaftliches Symposion durchgeführt, das Elisabeths karitatives Wirken in den Kontext der großen religiösen Bewegungen jener Zeit stellte. Die Subjektivierung der Frömmigkeit, die von den großen Reformorden ausging, erfasste um 1200 nachhaltig auch die Laiengesellschaft. Vor allem Frauen drängten nach Teilhabe am religiösen Leben und strebten eine möglichst radikale Nachfolge Christi an. Ergriffen vom neuen Ideal der Armut und Askese waren sie bereit, ihre bisherigen sozialen Bindungen aufzugeben und ihre Vorstellung eines christlichen Lebens in karitativer Fürsorge oder – in Abkehr von der Welt – in strenger Klausur und mystischer Selbstsorge zu verwirklichen. Diese neue Spiritualität aus der Sicht verschiedener Fächer – der Theologie, der Geschichts- und Literaturwissenschaften, der Kunstgeschichte wie der Musikwissenschaft – sichtbar zu machen, war Ziel des Symposions, dessen Beiträge in diesem Band erscheinen.

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LOTHAR VOGEL Der Libellus der vier Dienerinnen. Beobachtungen zur Entstehung, Datierung und Wirkungsgeschichte 171

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LOTHAR VOGEL Der Libellus der vier Dienerinnen Beobachtungen zur Entstehung, Datierung und Wirkungsgeschichte Im Rahmen des Kanonisationsverfahrens Elisabeths wurden, um ihre heilig- mäßige Lebensweise zu belegen, vier ihrer Dienerinnen unter Eid befragt. Aus ihren Aussagen entstand jener Text, den wir heute — mit Dietrich von Apolda, dem wirksamsten Hagiographen Elisabeths — als den ,Libellus` der vier Mägde bezeichnen.1 Genauer gesagt: Es handelt sich zuerst um die Ver- nehmung zweier Hofdamen, Guda und Isentrud; Guda war mit Elisabeth von Kind an zusammen gewesen, Isentrud war etwa fünf Jahre vor dem Tode des Landgrafen Ludwig, also um die Hochzeit oder die Geburt des ersten Kindes herum, dazugekommen und zur engsten Vertrauten der jun- gen Landgräfin geworden. Darauf folgt die Vernehmung zweier Frauen von niedrigerem Status, nämlich Irmingard und die Dienerin Elisabeth. Beide erscheinen als einstige ancillae, Mägde, Elisabeths.2 Der Libellus besitzt für 1 Maßgebliche Editionen: A. HUYSKENS, Quellenstudien zur Geschichte der hl. Elisa- beth, Landgräfin von Thüringen, Marburg 1908, S. 110-140 (Kurzfassung); ders., Der sog. Libellus de dictis quatuor ancillarum s. Elisabeth confectus, Kempten/ München 1911 (Langfassung). Zum heutigen Stand der Kenntnis über die hand- schriftliche Überlieferung des Libellus vgl. I. WÜRTH, Die Aussagen der vier Die- nerinnen im Kanonisationsverfahren Elisabeths von Thüringen (1235) und ihre Überlieferung im Libellus, Zeitschrift des Vereins für thüringische Geschichte 59/60 (2005/06), S. 56-73. Zur Bezeichnung des Textes vgl. Dietrich von Apolda, Vita S. Elyzabeth, Prologus, in: M. RENER (Hg.), Die Vita der heiligen...

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