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Elisabeth von Thüringen und die neue Frömmigkeit in Europa

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Edited By C. Bertelsmeier-Kierst

Anläßlich des 800. Geburtstages der heiligen Elisabeth von Thüringen wurde 2007 in Marburg ein wissenschaftliches Symposion durchgeführt, das Elisabeths karitatives Wirken in den Kontext der großen religiösen Bewegungen jener Zeit stellte. Die Subjektivierung der Frömmigkeit, die von den großen Reformorden ausging, erfasste um 1200 nachhaltig auch die Laiengesellschaft. Vor allem Frauen drängten nach Teilhabe am religiösen Leben und strebten eine möglichst radikale Nachfolge Christi an. Ergriffen vom neuen Ideal der Armut und Askese waren sie bereit, ihre bisherigen sozialen Bindungen aufzugeben und ihre Vorstellung eines christlichen Lebens in karitativer Fürsorge oder – in Abkehr von der Welt – in strenger Klausur und mystischer Selbstsorge zu verwirklichen. Diese neue Spiritualität aus der Sicht verschiedener Fächer – der Theologie, der Geschichts- und Literaturwissenschaften, der Kunstgeschichte wie der Musikwissenschaft – sichtbar zu machen, war Ziel des Symposions, dessen Beiträge in diesem Band erscheinen.

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ULRIKE BODEMANN Vom Lächeln im Leiden. Beobachtungen an Bildzyklen zum Leben der hl. Elisabeth in spätmittelalterlichen Legenden und Chroniken 295

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ULRIKE BODEMANN Vom Lächeln im Leiden Beobachtungen an Bildzyklen zum Leben der heiligen Elisabeth in spätmittelalterlichen Legenden und Chroniken. I. Die Nachricht vom Tod des Landgrafen Ludwig, der am 11. September 1227 in Otranto starb, erreichte Elisabeth wohl kurz nach ihrer Entbin- dung vom dritten Kind, ihrer Tochter Gertrud, und dürfte nach mensch- lichem Ermessen einen völligen Zusammenbruch der gerade einmal 20jährigen Frau bewirkt haben. Verständlich wäre dies, denn sie befand sich in einer schwierigen Situation: Mit 14 Jahren war sie an Landgraf Ludwig von Thüringen verheiratet worden, innerhalb von fünf Jahren hatte sie drei Kinder geboren, zwischendurch hatte sie sich als Landesmutter profiliert und dennoch immer wieder ihre Bedürfnisse nach einem gottgerechten Leben auch gegen Widerstände und Unverständnis durchgesetzt. Elisabeth reagiert auf den Tod ihres Mannes aber nicht mit Apathie, sondern mit Taten, indem sie mit ihrem bisherigen Leben bricht und die Absage an alles Weltliche gelobt. Noch vor der Heimführung von Ludwigs Leichnam und seiner Beisetzung im Familienkloster Reinhardsbrunn ver- lässt sie konsequent die Wartburg. Die Legenden berichten über diesen Einschnitt in ihrem Leben beson- ders wirkungsvoll: Elisabeth nimmt Zuflucht in einem Schweinestall, weil sie sonst nirgends ein Obdach findet, lebt nur vom Allernotwendigsten und lässt sich von einer alten Frau, der sie früher selbst Wohltätigkeiten erwiesen hat, in den Straßendreck stoßen, also aufs Tiefste erniedrigen. Zu alldem aber lacht sie: Die Nacht im Schweinestall verbringt sie, wie Diet-...

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