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Kriegs- und Nachkriegskindheiten

Studien zur literarischen Erinnerungskultur für junge Leser

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Edited By Gabriele von Glasenapp and Hans-Heino Ewers-Uhlmann

Die Beiträge dieses Bandes beschäftigen sich mit der Allgemein- wie der Kinder- und Jugendliteratur als einem zentralen Erinnerungsmedium an Kindheit und Jugend während des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit. Fokussiert werden die teilweise traumatisierenden Erlebnisse: Zum einen aus unterschiedlichen nationalen Perspektiven, wobei der nationale Referenzrahmen neben deutschsprachigen auch europäische wie außereuropäische Perspektiven umfasst. Zum anderen werden die literarischen Kindheitsdarstellungen einzelner Länder unter dem Aspekt von Selbst- und Fremdwahrnehmung gesehen. Die einzelnen Aufsätze gehen zur Erinnerungskultur im Allgemeinen, behandeln einzelne Autoren und befassen sich mit der Tradierung von Texten, Aspekten nationaler Literaturpolitik sowie Fragen der literarischen Vermittlung.

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Es war einmal ein Krieg. Jüdische und nichtjüdische Kriegs- und Nachkriegskindheit und -jugend in der Kinder- und Jugendliteratur 51

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Zohar Shavit (Tel Aviv) Es war einmal ein Krieg. Jüdische und nichtjüdische Kriegs- und Nachkriegskindheit und -jugend in der Kinder- und Jugendliteratur I. Als der deutsche Schriftsteller Martin Walser am 11. Oktober 1998 in der Frank- furter Paulskirche den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels in Empfang nahm, sagte er in seiner Dankesrede Erfahrungen beim Verfassen einer Sonn- tagsrede das Folgende über Auschwitz: „Auschwitz eignet sich nicht dafür, Drohroutine zu werden, jederzeit einsetzbares Einschüchterungsmittel oder Mo- ralkeule oder auch nur Pflichtübung.“ (Walser 1998, 13) Walsers Worte, die schlicht als Aufruf ‚Lasst uns mit Auschwitz in Ruhe’ verstanden wurden, obwohl die sich darin verbergende Botschaft gewiss viel- schichtiger war, lösten ein große Echo aus, das von Bestürzung bis zu Zustim- mung reichte. Ich muss sagen, dass mich weder Walsers Aussage erstaunte noch die Interpretationen, die ihr gegeben wurden. Meines Erachtens waren sie die natürliche (wenn auch bedauerliche) Folge jenes historischen deutschen Narra- tivs, mit dem ich mich seit Mitte der 1980er Jahre in meiner Forschungsarbeit über die westdeutsche Kinderliteratur zum Zweiten Weltkrieg, zum Dritten Reich und zum Holocaust befasse. Die Ergebnisse dieser Forschungen, auf Deutsch bislang nur auszugsweise veröffentlicht, sind in Buchform erstmals 1999 in hebräischer Sprache erschienen und jüngst in erweiterter Fassung auch auf Englisch. (Shavit 2005) Meine heutigen Ausführungen behandeln, gestützt auf diese Ergebnisse, die Frage des Umgangs mit der Verantwortung für den Krieg und für die Gräuel dieses Krieges in den in Deutschland...

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